Hands On: Unico – Inside Hublots Kaliber HUB 1240


Nach dem Erfolg der Hublot Big Bang, die 2005 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hat sich Hublot unmittelbar der nächsten großen Herausforderung gestellt: ein hauseigenes Kaliber zu entwickeln. Eines das der gleichen (Design-)Philosophie des ikonischen Big Bang Gehäuses folgen sollte. Das Ergebnis war das Kaliber HUB 1240 „Unico“ (Esperanto: das Erste), das die außergewöhnlichen kreativen und technischen Fähigkeiten der Marke demonstriert und Hublot zu einer wahren Manufaktur und heute zu einem Schwergewicht der Branche gemacht hat.

In diesem Artikel werde ich in die Details des „Unico“ gehen und einige eben jender Details näher erkunden, die es so einzigartig machen. Viele der Funktionen und Technologien des Unico (Anm.: Schaltrad, integriertes Chronographen-Automatikkaliber, Flyback-Mechanismus, modifizierter Pellaton-Aufzug, zwei Kupplungen für den Chronographen, Silizium Anker und Ankerrad) sind nicht exklusiv bei Hublot zu finden, aber ihre Implementierung und technische Optimierung machen Hublot und das Unico zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für andere bekannte Marken und ihre Chronographenkaliber. Das Unico ist, typisch Hublot, eine Verschmelzung von uhrmacherischer Tradition und modernster Technologie.

Für diesen Artikel stellte Hublot mir freundlicherweise ein Unico-Kaliber zum Anschauen und Lernen zur Verfügung. Noch wichtiger war aber, das mir der direkte Zugang zu den Verantwortlichen ermöglicht worden, zu jenen Menschen, die das Unico vom Konzept zur Realität brachten.  Bitte bedenken Sie beim Lesen dieses Artikels, dass meine Beobachtungen die eines Enthusiasten und leidenschaftlichen Bewunderers der Marke und nicht die eines ausgebildeten Uhrmachers sind. Ich freue mich auf das Feedback und die Diskussion über die folgenden Inhalte.

Die Entstehung des Unico

Im Jahr 2008 brachte Jean-Claude Biver, damals der CEO von Hublot, ein Team von Spezialisten zusammen, um mit der Entwicklung eines eigenen Chronographenkalibers von Hublot, des Unico, zu beginnen. „Er (Jean-Claude Biver) wollte ein starkes, eigenes Uhrwerk, um das bis dahin hauptsächlich genutzte Kaliber Valjoux 7750 zu ersetzen“, erklärte der Konstrukteur des Unico Chistophe Lyner. „Wir hatten ein leeres Blatt Papier vor uns. Das ist hier üblich. Er (JCB) lässt dich vollkommen frei Ideen entwickeln und gestalten. „

Als das Team also mit der Arbeit an dem neuen Kaliber anfing, taten Sie dies mit der maximalen Freiheit, die der CEO zulassen konnte. „Wir wollten vom 7750nur die unglaubliche Qualität beibehalten aber unser eigenes Kaliber technisch auf höchstem Niveau z.B. mit einem Säulenrad, einer Doppelkupplung, Chronograph-Funktionen auf der Seite des Zifferblattes und einem Flyback-Mechanismus ausstatten. Im Grunde sollten wir also einige der grundlegenden Konstruktionsregeln des 7750 beibehalten und sie mit der technologischen Moderne verschmelzen. Das Unico ist also eine Fusion zwischen dem 7750 und der Zukunft.“

Dadurch hat das Unico im Wesentlichen sehr ähnliche Abmessungen wie das Valjoux 7750 und ist komplett nutzbar mit Gehäusen und Zifferblättern die bei Hublot bis dahin mit dem 7750 ausgestattet waren. Aber die Gemeinsamkeiten beider Kaliber enden hier. Während das 7750 normalerweise 42 bis 46 Stunden Gangreserve hat, erlaubt die Effizienz des Unico 72 Stunden Gangautonomie. Wie Herr Biver sagte: „Das Uhrwerk in seiner Konzeption und Konstruktion ist einzigartig, anders und der erste Chronograph, der nach diesem Konzept gebaut worden ist. Daher der Name Unico.“

Weitere wichtige Merkmale des Unico sind ein modifiziertes, bidirektionales Aufzugssystem nach Pellaton und eine modulare Hemmung mit Silizium für die Anker und das Ankerrad. Diesen Komponenten widme ich mich im Teil III dieses Artikels eingehend.

Der Teufel steckt in den Details

Die Idee eines einfachen Ersatzes oder einer bloßen Kopie des 7750 genügte nicht dem Anspruch einer Marke, die von den kleinsten Details besessen ist. Beispielsweise verwendet die Datumsanzeige des 7750 einen starren, nur in eine Richtung beweglichen Schaltnocken, um das Datumsrad anzutreiben. Obwohl dies eine weit verbreitete und robuste Methode ist, schließt sie aus technischen Gründen die Schnelleinstellung des Datums während bestimmter Stunden aus. Die meisten Leser sind mit dieser häufig beschriebenen Einschränkung des 7750 vertraut, die sogar in den User-Manuals von Hublot-Uhren der prä-Unico-Ära erwähnt wird.

Für die Konstrukteure des Unico war diese Einschränkung Schnelleinstellung des Datums inakzeptabel. Stattdessen entschied man sich für einen Kalendermechanismus, der einen flexiblen Schaltnocken mit der Fähigkeit verwendet, sich in beide Richtungen bewegen zu können (s. das Bild oben links). Diese neuartige Konstruktion arbeitet mit einem traditionellen Rücker zusammen, um das Datumsrad jederzeit reibungslos vorwärts zu bewegen. Darüber hinaus verfügt Unico über einen dreizinkigen Datumskorrektor (s. das Bild oben rechts), der sich losgelöst vom Kalender über die Krone bedienen lässt, um jederzeit das Datum einstellen zu können. Das Risiko einer Beschädigung des Kalendermechanismus ist dabei gleich null.

Zeitgemäßes Design

Von Anfang an verfolgte Hublot beim Unico eine Designphilosophie die in der gesamten Marke einheitlich bleibt und sich in ihrer DNA auch bei den Big Bang- und King Power-Gehäusen von Hublot wiederfindet. Das sehr vom Art Deco beeinflusste Design der Hublot-Uhren ist eine Hommage an das klassische Design, welches jedoch mit modernster Technologie ausgerüstet wurde.

Das Unico hat klare, scharfe Linien, die vom Art-Deco-Einfluss herrühren. Die halb-skelettierte Brücke für das Räderwerk wirkt optisch mit einem mehrteiligen Rad (siehe das Bild oben) zusammen, was einen faszinierenden animierten Effekt erzeugt. (Anm.: wenn sich dieses Rad dreht, dann ergibt sich durch das feststehende Unterteil und das bewegliche Oberteil eine ständig wechselnde Optik). Herr Biver, der die Gehäuse und die Uhrwerke vergleicht, sagte: „Beide haben eine starke technische Optik, beide haben ein starkes ästhetisches, an die Mitte der 30er Jahre angelehntes Design und beide sind vollkommen innovativ in ihrer Konstruktion und Ausführung. “ Er fuhr fort: „Das Uhrwerk ist in seiner Konzeption einzigartig, anders und der erste Chronograph, der nach diesem Konzept gebaut wurde. Daher der Name Unico. “

Modulare Moderne

Das Erste, das Sie bemerken können wenn Sie den Unico in der Hand halten ist, dass die einzelnen Teile nicht „shotgunned“ auf einer Hauptplatine verteilt sind. Seine 330 Komponenten sind aufgrund ihrer Funktion übersichtlich in logische Baugruppen gegliedert. Obwohl ich nicht empfehlen würde, Ihre eigene Uhr zu zerlegen macht es diese Anordnung selbst für einen Enthusiasten einfach, seine Konstruktion und Funktion zu verstehen.

Neben der Ästhetik bietet der modulare Aufbau des Unico mehrere Vorteile. In erster Linie folgt das modulare Design der DNA der Marke, indem es eine skalierbare Plattform schafft die es dem Unternehmen ermöglicht, Komponenten leicht zu ändern oder Komplikationen in zukünftigen Versionen hinzuzufügen. Eine solche Variante ist z.B. das HUB1270 Unico im Big Bang Chronograph Perpetual Calendar, der Datum, Tag, Monat und Schaltjahre anzeigt.

Das Art-Deco-Styling des Unico wird durch moderne Designs der Räder ergänzt, die an die Felgen eines italienischen Sportwagens erinnern. Diese ungewöhnliche Mischung von Komponenten ergibt ein wohl geordnetes, aber technisch aussehendes Kaliber mit genügend Kontrast, um den Blick zu fesseln. Die Auswahl an Materialien und Oberflächen geht jedoch über die Ästhetik hinaus, da jede Variation typischerweise zu allererst auf Funktionalität basiert.

Wenn Sie das Unico von beiden Seiten betrachten werden Sie feststellen, dass verschiedene Räder unterschiedliche Oberflächen haben. Die Räder auf der Vorderseite haben eine glänzende, spiegelnde Oberfläche, während die meisten auf der Rückseite gebürstet sind.

Der Fertigungs- und Herstellungsprozess für jedes Rad wird durch seine spezielle Funktion bestimmt. Beispielsweise werden Zahnradräder des automatischen Aufzugs durch traditionelle Bearbeitungsverfahren hergestellt, um eine herausragende Verschleißfestigkeit für Teile zu bieten, die Kraft vom Federhaus übertragen – auf die Teile wirkt ständig eine konstante, hohe Kraft. Die z.T. sehr kleinen Räder des Chronographen-Mechanismus, die wesentlich geringere Kräfte und dies auch nicht ständig aufnehmen müssen, sind mit dem hochmodernen UV-LIGA-Verfahren hergestellt, dass eine erhöhte Oberflächenhärte und Genauigkeit der Bauteile liefert.

Über das UV-LIGA Verfahren

Ultraviolett-LIGA ist ein Photolithographieprozess ähnlich dem, der zur Herstellung winziger elektronischer Schaltungen verwendet wird. Bei UV-LIGA strahlt ultraviolettes Licht durch eine per AutoCAD erzeugte Maske auf einen goldplattierten leitenden Wafer, der mit lichtempfindlichem Harz bedeckt ist. Das Licht polymerisiert das Harz in den UV-exponierten Bereichen. Eine Lösung löst dann das UV-freie Harz auf und erzeugt eine nahezu perfekte und hochpräzise (Anm.: Negativ-)Form.

Im nächsten Schritt wird der leitfähige Wafer in einer chemischen Lösung elektrisch geladen was eine galvanische Abscheidung von Nickelphosphorpartikeln in der Form bewirkt. Die Form wird auf die richtige Dicke beschichtet und dann in eine andere Lösung gegeben, um das verbleibende Polymer aufzulösen und die Metallteile freizusetzen. Die resultierenden Komponenten werden innerhalb von Toleranzen von nur zwei Mikrometern (oder 2/1000 Millimeter) gefertigt und haben eine Hochglanzoberfläche, die keine Politur erfordert.

UV-LIGA ist ein teurer Prozess und größere Teile brauchen länger um per galvanischer Abscheidung zu „wachsen“. Dennoch kann diese Methode Komponenten mit höchst komplexen Formen erzeugen, die mit herkömmlichen CNC- oder anderen Stanztechniken nicht zu erreichen sind. Für das Unico werden viele der Räder, Hebel und herzförmigen Teile per UV-LIGA hergestellt.

UV-LIGA von Mimotec SA

Back to the Future

Das sandgestrahlte, schwarze Ruthenium-Finish der Platinen und Brücken des Unico bleibt der offiziellen Farbe der Marke Hublot treu, die … schwarz ist. Côtes de Genève oder andere übliche Dekorationen hinzuzufügen wäre eine Anpassung an die üblichen Normen und Konverntionen. Biver erklärte: „Das Finish ist klar, weil wir dem Kaliber ein technisches Aussehen geben wollten was bei den typischen“ Côtes de Genève „, die die meisten Marken heute verwenden, nicht der Fall ist. Unser Look sollte von heute und nicht von gestern inspiriert sein und sollte sich von den anderen unterscheiden. Auch wenn das glatte Finish viel delikater ist, weil man jeden (auch sehr kleinen) Defekt sieht. Dies ist bei den „Côtes de Genève“ nicht der Fall, die wurden aus dem einfachen Grund erfunden, die Defekte auf der Oberfläche zu verstecken. Sie werden nie eine Breguet-Uhr des 18. Jahrhunderts mit einem „Côtes de Genève“ Schliff finden!“

Einzigartig sicher

Alle genannten Designelemente gipfeln schließlich in einem der wichtigsten Merkmale des Unico – die Sicherheit. Es gibt einfach keine Schwächen beim Unico.Es ist absolut funktionssicher. In Anbetracht des auf der Zifferblattseite untergebrachten Chronographen-Mechanismus, der offen gestaltenen Brücken und der per UV-LIGA-produzierten Teile konnte nur einer der kompetentesten und bestens ausgerüsteten Hersteller ein Uhrwerk wie das Unico produzieren. Die benötigten Technologien und mehrere Millionen Schweizer Franken, die für die Entwicklung eines solches Uhrwerkes benötigt werden und die es einzigartig machen, stellen z.B. potenzielle Fälscher vor eine unüberwindbare Hürde. So ein Uhrwerk ist nahezu fälschungssicher.

Viele Marken in der Industrie versuchen neue Technologien zu entwickeln um die kriminellen Machenschaften der Fälscher zu durchkreuzen. Hublots mutiger und grundlegender Ansatz, ein Uhrwerk mit einem eigenständigen Design zu entwickeln, das im Wesentlichen zu einem eigenen Fingerabdruck und damit zu einer Garantie für unzweifelhafte Authentizität wird, ist der beste Schutz vor Plagiaten.

Unico: es ist nur der Anfang…

Es ist ungefähr zehn Jahre her, seit das Unico konzipiert worden ist. Aber auch trotz seiner bewährten Leistung und Zuverlässigkeit suchte Hublot nach Möglichkeiten, seine Schöpfung zu verbessern.   Als Hublot die Stimmen vieler Kunden hörte die eine kleinere Unico Big Bang forderten (Anm.: bisher waren die Unico Big Bang ausschließlich mit 45mm großen Gehäusen zu haben) begann man mit der Entwicklung einer kleineren Version des Unico. Auf der Baselworld 2018 präsentierte Hublot ein kleineres Big Bang-Design, bei dem eine neue Version des Unico in ein 42-mm-Gehäuse eingebaut wurde. Das Unico Caliber 1280 ist jedoch viel mehr als nur ein kleineres Unico. Es ist der Höhepunkt von fast einem Jahrzehnt modernster Forschung und Entwicklung – es ist die konsequente Verbesserung und Optimierung eines bereits beeindruckenden Konzeptes.   In einem kommenden Artikel werde ich einige der neuesten Innovationen vorstellen, die nicht nur die neuen 42-mm-Big-Bangs antreiben, sondern auch in der gesamten Unico-Familie umgesetzt werden sollen.   Mit dem Unico II hat Hublot erneut seine Fähigkeit zur fortlaufende Innovation unter Beweis gestellt. Ein Beweis dafür, dass Perfektion nur ein relativer Begriff zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. Die Entwicklung und Perfektionierung des Unico wird stetig weiter fortsetzt.

(c) Originaltext im Englischen und alle Bilder: Todd Harrell/PuristS

Mein herzlicher Dank gilt Todd Harrell, der diesen Artikel im Original geschrieben und mir die Bilder zur Verfügung gestellt hat, und den PuristS, die einer freien Übersetzung dieses Artikels ins Deutsche erlaubt haben.

Todds Artikel ist im Original hier erschienen: http://www.watchprosite.com/hublot/hands-on-unico–inside-hublot-s-calibre-hub-1240/871.1195921.9667306/1444878533/

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3 Kommentare

  1. Lieber Sascha!

    Wieder mal ein sehr gut recherchierter Bericht zum Unico.

    Bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil zum Unico II in der 42er Variante der Big Bang Unico.

    Danke und noch schöne Osterfeiertage wünscht Dir
    Udo

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