Hublot – kein Platz für „Bluff“


Kennen Sie Hublot? Diese Frage würde sicher die meisten Leser mit einem klaren „ja!“ beantworten. So, wie ich dies bis vor kurzem auch getan hätte. Doch mittlerweile weiß ich, dass ich Hublot bisher nicht ansatzweise kannte.

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Um präzise zu sein müsste die Frage eigentlich lauten: „Verstehen Sie Hublot?“. Seit einem Besuch in Nyon bei Genf tue ich dies erstmalig. Und auf dem Weg zu dieser Erkenntnis musste ich mich doch allerdings sehr über mich selber wundern. Wie konnte mir das, als Uhren-Aficionado mit einem Faible für Marken, die sich bewusst nicht den leichtesten Weg aussuchen, alles in den letzten Jahren entgehen?!

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Heute kann ich sagen, dass ich Hublot auch vor meinem Besuch kannte, aber nicht wirklich wusste, was und vor allem wie Hublot die Dinge macht. Mir fällt dabei das Gleichnis mit dem Eisberg ein, von dem man ja auch nur 1/10 oberhalb der Wasseroberfläche sehen kann, wohingegen sich 9/10 des Eisbergs unter Wasser befinden.

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Klar, die Big Bang kennt fast jeder. Und natürlich auch Jean-Claude Biver, den beeindruckenden Menschen hinter der Marke.

Jean-Claude Biver, CEO Hublot.

Aber Hublot ist weitaus vielschichtiger. Das beginne ich erst jetzt zu verstehen. Und an diesen Gedanken möchte ich Sie in diesem Artikel teilhaben lassen.

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Richtig erfassen kann die Marke Hublot nur wer die Gelegenheit bekommt, sich vor Ort in Nyon ein eigenes Bild zu machen. Warum? Nun, zum einen übt sich Hublot in angenehmer Zurückhaltung, was die sprichwörtlichen 9/10 des Eisbergs unter Wasser anbelangt. Man bekommt nur den „Big Bang“ dessen mit, was auf den ersten Blick „oberhalb der Wasserlinie“ sichtbar ist. Und vielleicht ist dieser Big Bang ja auch so laut und bunt, dass man den faszinierenden Rest nur allzu schnell übersieht?!

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Das wäre sehr schade, denn genau dieser „Rest“ macht Hublot tatsächlich einzigartig. Wenn man schon viele Uhrenmarken besuchen durfte dann fällt einem bei Hublot sehr schnell auf, dass sich nicht alles um die Uhren und um Zahlen dreht. Der Fokus von Hublot liegt also nicht primär beim „was“, sondern eher beim „wer“ und vor allem beim „wie“. Man geht bewusst nicht den leichtesten Weg.  Eher erkennt man Möglichkeiten und probiert sie mutig aus. Andern Orts würde man die Hinderungsgründe herausstellen oder überlegen, was das alles wirtschaftlich bringt. Aber genau diese Selbstbeschränkung hindert viele Marken an echter Innovation. In meinen Augen ist Hublot keine Uhrenmarke im eigentlichen Sinn. Vielmehr ist Hublot ein Innovations- und Kompetenzzentrum, welches auch tolle Armbanduhren fertigt.

An einigen Beispielen möchte ich das erklären.

Das magische Gold

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Hublot möchte haltbare Uhren bauen, die den stolzen Besitzer auch noch in vielen Jahrzehnten erfreuen. Regelmäßig gewartet kann die Mechanik einer Uhr ewig halten. Aber was ist mit dem Gehäuse? Gerade wenn es aus relativ weichen Materialien wie Gold oder Platin gefertigt ist. Irgendwann, nach einigen Aufbereitungen, ist das Gehäuse hin, geht doch bei jeder Politur etwas Material verloren. Also dachte man bei Hublot darüber nach, wie man z.B. Gold mechanisch widerstandsfähiger machen kann. Viele, die davon erfuhren, schüttelten nur mit dem Kopf. Wie sollte man das legendäre Gold, ein absolut inertes Material, derart verändern?

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Wissenschaftler, die sich an der Forschung beteiligen würden, fanden sich. Jedoch ohne irgend ein Ergebnis vorhersagen zu können. Nach mehreren Jahren, einige Millionen schweizer Franken und 20kg reines Gold zum experimentieren waren verbraucht, gab es tatsächlich ein 18 karätiges Gold, welches absolut kratzfest ist. Nebenbei fielen bei den Forschungen noch einige andere Erkenntnisse, quasi als Nebeneffekt, an. Doch wie funktioniert das sog. Magic-Gold?

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Am Anfang steht fein gemahlenes Keramikpulver.

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Dieses wird in einem speziellen Verfahren zu einer Röhre gepresst.

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Dabei finden sich zwischen den gepressten Keramikpartikeln mikroskopisch kleine Hohlräume. Die Kunst besteht nun darin, das diese Hohlräume gleichmäßig verteilt sind und exakt 75% des Volumens des Materials einnehmen. Schließlich soll am Ende 18 karätiges Gold, oder anders ausgedrückt 750er Gold, entstehen.

In einem weiteren Schritt werden die 75 Volumen-Prozent zwischen den Keramik-Partikeln vollständig mit reinem Gold gefüllt werden. Im folgenden Bild ist dies die linke Röhre.

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Durch die schwarzen Keramikpartikel entsteht ein interessanter Farbton des Magic-Gold, der an Bronze erinnert. Im Endergebnis entsteht ein Werkstoff, der zu 75% aus Gold und zu 25% aus Keramik besteht, also 18 karätiges Gold.

Die Keramik-Partikel machen das Magic-Gold absolut kratzfest. Im folgenden Bild kratze ich mit einem Stahlbohrer mit voller Kraft auf einer Platte aus Magic-Gold.

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thumb_IMG_0536_1024Doch auf der Platte findet sich keine Spur von Kratzern. Wahnsinn!

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Die Zulassung dieser neuen Goldsorte beim schweizer Zoll, der die Edelmetall-Punzen vergibt, war ebenfalls nicht einfach. Als dies gelungen war existierte kein Werkzeug, mit dem der Zoll dieses 1000 Vickers harte Material punzieren hätte können. Im Vergleich dazu zeigt Edelstahl eine Härte von 600 Vickers und 18-karätiges Gold eine Härte von 400 Vickers.

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Auch die Bearbeitung der neuen Goldsorte stellt eine Herausforderung dar. Nur mit diamantierten Werkzeugen und Lasern ist dies möglich.

Und was bringt die Zukunft bei Hublot? Warum sollte das entwickelte Verfahren nicht auch mit anderen Metallen funktionieren?

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Silber, dass nicht anläuft, selbst wenn man es in die Spülmaschine tut, gibt es bereits bei Hublot. Es war ein Nebenprodukt der Forschungen. Wir dürfen also gespannt sein, womit uns Hublot in der Zukunft überraschen wird.

Die Bubblots und das Wrack von Antikythera

Ein weiteres schönes Beispiel für die innere Einstellung bei Hublot ist die Entwicklung einer Technologie, die rein gar nichts mit Uhren zu tun hat.

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Hublot baut Tauchroboter. Das glauben Sie nicht? Es ist aber so. Der Hintergrund liegt in der Erforschung eines Mechanismus, der etwa 1000 Jahre vor Christus wahrscheinlich von Archimedes entwickelt worden ist und der in einem Wrack naher der griechischen Insel Antikythera gefunden wurde. Das Wrack wurde im Jahr 1901 zufällig von Schwammtauchern entdeckt. Einer der Taucher sah unter Wasser eine Skulptur, die auf ihn zeigte.

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Zuerst wurden in 1902 die großen Fundstücke geborgen und in ein Museum nach Athen gebracht. In den 1960´er Jahren tauchte dann der legendäre Jack-Yves Cousteau am Wrack und fand viele kleinere Artefakte, die ebenfalls ins Museum kamen. Erst viele Jahre später erkannte man, dass unter diesen Artefakten auch eine Art Mechanismus ist.

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Sogar Zahnräder aus Bronze und Skalen mit den Symbolen von Planeten waren dabei. Auf dem folgenden Röntgenbild erkennt man faszinierende Details.

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Als Hublot davon erfuhr bot man an, diesen Mechanismus zu erforschen und auch nachzubauen. Nach intensiven Forschungen gelang schließlich der Nachbau. Die Erkenntnisse waren fulminant. Bereits vor 3000 Jahren hat vermutlich Archimedes einen Mechanismus aus Bronze gebaut, der neben der gleichzeitigen Anzeige von drei verschiedenen Kalendern u.a. auch den Stand der damals bekannten Planeten aus Sicht von der Erde aus darstellen kann. Zudem kann man diesen Mechanismus vor und zurück stellen und auch die Planetenstellung zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft oder in der Vergangenheit darstellen. Dieser Mechanismus ist dabei derart genau, dass er über mehrere hundert Jahre nicht einmal um einen Tag abweicht.

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Es wurden allerdings noch nicht alle Originalteile aus dem Wrack geborgen. Daher unterstützt Hublot die Archäologen nicht nur finanziell, sondern indem man eine Technologie entwickelt, die bei der Bergung der fehlenden Artefakte helfen soll.

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Ganz recht, das obige Bild zeigt, wie auch die folgenden Bilder, die Prototypen-Werkstatt der Uhrenmarke Hublot.

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Der Entwicklungsleiter von Hublot, Mathias Buttet, der sonst für die Entwicklung der Uhren-Prototypen verantwortlich ist, erklärt das Prinzip der „Bubblot“ genannten Tauchroboter.

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Der Herr links ist ein Forscher aus dem Athener Museum. Er hat ein ständiges Büro bei Hublot.

Drei dieser Tauchroboter werden gebaut und die Archäologen bei der Erforschung des Wracks und der Bergung der Artefakte unterstützen.

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Andere Uhrenmarken würden jetzt limitierte Sondereditionen einer Taucheruhr auflegen und diese vermarkten. Nicht aber Hublot. Bei diesem Projekt steht die Unterstützung der Archäologen und der Wissenschaft und damit die Erforschung dieses Erbes der Menschheit im Mittelpunkt und nicht der Verkauf von Uhren. Welche andere Marke würde dies so machen?

Übrigens hat Hublot auch eine Uhr entwickelt, die Anleihen am antiken Mechanismus nimmt.

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Allerdings wird es diese Uhr nicht zu kaufen geben. Vier dieser Uhren existieren insgesamt.

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Zwei Uhren hat Hublot an Museen verschenkt. Eine nach Athen und eine nach Paris. Die dritte Uhr wird ihren Platz im Hublot-Museum finden. Und das vierte Exemplar dient der weiteren Forschung.

Dem Thema „Antikythera“ werde ich einen eigenen, ausführlichen Artikel widmen.Es ist einfach zu spannend.

Man könnte fortführen, das Hublot eigene Uhrwerke konstruiert und auch selber fertigt. Sogar welche mit 50 Tagen (!) Gangreserve. Selbstverständlich ist die Marke eine Manufaktur. Auch entwickelte man einen neuen Verbundwerkstoff, in dem man die Kohlefaser des Carbons durch Leinen ersetzte, den man auch noch selber anbaut. Hublot gehört zwar zum LVMH-Konzern, kann aber unabhängig entscheiden. In der Verantwortung steht Jean-Claude Biver. Und jeder einzelne seiner Mitarbeiter unterstützt ihn dabei. Er vertraut seinen Mitarbeitern und gibt ihnen den notwendigen Freiraum, um sich einzubringen. Und das erkennt man überall in der Manufaktur.

Das folgende Bild zeigt einen Automaten zum schmieren von Rubinlagern, der auf Initiative eines Mitarbeiters entwickelt worden ist.

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Solche Beispiele finden sich Hublot aller Orten.

Der entscheidende Unterschied zu anderen, auch großen Namen in der Uhrenwelt ist, dass man bei Hublot sehr hohe Ansprüche an sich selber stellt und sich täglich an diesen misst. Diese Ansprüche stellen nicht den wirtschaftlichen Erfolg in den Mittelpunkt, sondern weit noblere Ziele. Ethik spielt eine große Rolle, Wertschätzung und Vertrauen auch. Gleichermaßen von Jean-Claude Biver bis hin zum jüngsten Auszubildenden. Die Freude daran, die Möglichkeiten auszuschöpfen und Grenzen zu verschieben, auch wenn sich diese nicht unmittelbar auf den Uhrenbau auswirken, ist überall in Form eines beispielhaften und offenen Betriebsklimas spürbar. Und niemand stellt sich bei Hublot die Frage „warum“? Denn es gibt keine Alternative.

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All diese Alleinstellungsmerkmale von Hublot befinden sich „unterhalb der Wasserlinie des Einsbergs“. Man spricht bei Hublot nicht darüber, weil man all das für selbstverständlich hält. In Wirklichkeit ist diese innere Einstellung der Marke höchst selten wenn nicht gar einzigartig. Und dann ist Jean-Claude Biver auch nichtmehr nur der geniale Verkäufer, sondern eher ein Patron, der gleichzeitig ein aufrichtiger Visionär ist. Man bekommt all das nur  mit, wenn man sich etwas Zeit nimmt und die Marke eintaucht.

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Und exakt das werde ich in der Zukunft in diesem Blog tun und lade Sie herzlich ein, mich dabei zu begleiten.

Eine letzte Frage: ist all das wichtig? Was spielt das für eine Rolle beim Uhrenkauf? Das hängt alleine von Ihnen und Ihrer inneren Einstellung ab.

Den Titel dieses Beitrags habe ich von einem Mitarbeiter von Hublot entliehen, der mir in Nyon aus ganzem Herzen sagte: „… bei Hublot ist kein Platz für Bluff!“

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Ach ja, fantastische Uhren Uhren baut man bei Hublot auch. Auch dazu später mehr in diesem Blog.

 

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