Trau Schau Wem


Trau schau wem –  so lautet einmal eine Serie von Artikeln in einem Online-Forum für schöne und hochwertige Armbanduhren. In diesen Artikeln ging es um allerlei Stolperfallen beim Kauf hochwertiger alter Uhren. Es ging vor allem um falsche Zifferblätter. Und getreu diesem Motto möchte ich in diesen Beitrag die kurze Geschichte eines Uhrensammlers und der Jagd nach seiner Jahrgangsuhr öffentlich machen.

Diese Geschichte ist ein schönes Beispiel für die Zustände auf dem Gebrauchtmarkt  hochwertiger Armbanduhren einschließlich einiger Fallen, in die ein unbedarfter Käufer schnell tappen kann. Derartige Fallen sind nicht nur ärgerlich, sondern auch meist sehr teuer.

Und da ich gerne Menschen helfe, die auf der Suche nach der richtigen Uhr sind ist dieser Beitrag auch als kleine Hilfestellung gedacht, die anderen helfen soll.

Doch nun zur Geschichte:

Vor einiger Zeit kontaktierte mich ein netter Mensch namens Alexander, der auf der Suche nach einer ganz speziellen Uhr war. Es sollte eine Rolex Red Submariner Ref. 1680 als Jahrgangsuhr aus seinem Geburtsjahrgang 1974 sein (die Veröffentlichung der Texte seiner Nachrichten hat er ausdrücklich erlaubt)

„Hallo,
ich möchte mich kurz vorstellen, ich heiße Alex. Ich bin schon ein paar Jahre hier angemeldet, lese aber nur mit, da ich fachlich so gut wie keine Ahnung habe und besser den Mund halte Meine Leidenschaft für Rolex Uhren begann, als ich zum Examen von meiner Oma eine 16610 bekommen habe. Als ich nun die Red Sub von meinem Jahrgang sah, musste ich sie haben. Kurz nach dem Kauf stieß ich auf den Blog von Sascha und konnte mein Zifferblatt nicht zuordnen. Sascha, an den sich an dieser Stelle mein Dank für seine aufgewendete Zeit richtet, half mir, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Da wir keine Lösung fanden, wollte ich nur eines, die Uhr schnell zurückgeben. Der Händler, ein sehr erfahrener und freundlicher Mann, kam meiner Bitte nach. Er bedauerte meine Entscheidung und sagte, ich begehe den Fehler meines Lebens. Das Blatt sei sehr selten und überaus wertvoll, er nimmt die Uhr gerne wieder zurück. Der Preis, den ich bekommen habe ist hinfällig, er erhöht sich nun deutlich. Nun gut, ich bin Laie und sollte mich nicht auf Gebiete vorwagen, von denen ich nichts verstehe. Ich bin froh, dass alles so gekommen ist und ich wieder ruhig schlafen kann.
Gruß an Euch alle, ich freue mich auf viele weitere Artikel
Alex“

In diesem Blog hatte Alex schon meinen Beitrag über die Red Submariner studiert,

Die Zifferblattvarianten der Rolex Red Sub

aber die Uhr bereits gekauft.

Doch irgend etwas störte ihn an der Uhr, die ihm angeboten worden ist.

Die Uhr mit der Gehäusenummer: 3.72X.XXX trug das folgende Blatt:


Was halten Sie von diesem Blatt?

Nun, wenn man kein absoluter Profi ist, dann ist eine Einschätzung enorm schwer! Für eine RedSub ist im vergleich zur normalen SubDate aus der Zeit ein hoher Preisaufschlag fällig. Das lockt natürlich nicht nur seriöse Zeitgenossen. Und so gibt eine Unmenge an falschen RedSub´s auf dem Markt.

Ein Interessent sollte sich also bzgl. der RedSub kundig machen, oder aber Rat einholen.

Ich empfehle die Kontrolle einer Uhr in dieser Reihenfolge:

  • passt die siebenstellige Gehäusenummer der Uhr (zu finden zwischen den Bandanstössen) zur Produktionszeitraum der RedSub?

->Beginn: ca. 2.050.000 – 2.070.000 (ca. 1969)

-> Ende: ca. 3.930.000 (1974)

-> Falls nein, dann ist es höchstwahrscheinlich keine echte RedSub!

In unserem Fall passt die Gehäusenummer 2.72x.xxx also in das Spektrum der RedSub.

  • Falls die Uhr in diesen Zeitraum passt ist als nächstes das Zifferblatt genau zu prüfen. Hierzu kann man z.B. den o.g. Beitrag aus meinem Blog nutzen, oder aber andere hilfreiche Seiten im Internet.

-> Wichtig ist, dass die Typografie des Blattes zu einer der bekannten Versionen passt. Falls nicht, so ist höchste Vorsicht geboten!

  • Wenn  nun die Uhr in den Produktionszeitraum der RedSub passt und es auch so ein Blatt gibt folgt als nächstes die Prüfung, ob das Blatt bzw. die Blattvariante auch zur Gehäusenummer passt. Hierbei ist zu erwähnen, dass Rolex keine offiziellen Daten herausgibt. Das bedeutet, dass alle Daten in Blogs wie diesem auf jahrelanger Forschung und Beobachtung des Marktes basieren.

-> passen Gehäusenummer und Blattvariante zusammen, dann kann man erleichtert durchatmen.

In unserem Fall ist das nicht so. Eigentlich müsste eine RedSub mit dieser Gehäusenummer ein Mk VI Blatt haben. Vergleicht man nun, Stück für Stück, ein originales Mk VI Blatt (jeweils oben) mit dem Blatt der Uhr (unten) dann sieht man Folgendes:

mark-6 33a1f445443a306bdc35eda54c7f109f

Auf den ersten Blick erkennt man, dass da etwas nicht stimmt.

Schauen wir uns den unteren Teil des Blattes an (wieder: oben ist das Original, unten die zur Diskussion stehende Uhr)

mark-vi e1146fd84df114b48d3693996e433c57

Auch hier stimmt es nicht überein. Übrigens kann man den gleichen Vergleich auch mit der Mk V oder allen anderen Varianten machen. Keine wird passen. Und das ist ein sehr schlechtes Zeichen. Die RedSub wird seit vielen Jahren von Menschen wie mir am Markt beobachtet. Ich nehme jede RedSub, die ich in die Hände bekomme, unter die Lupe. Alle nachweislich originalen RedSub´s ließen sich bislang in das Schema Mk I bis VI plus Service-Dials einordnen.

Bei der Preisgestaltung ist dann noch gegen zu prüfen, ob an der Uhr ein originales Armband samt Schließe verbaut ist, oder ob das Band schon einmal getauscht worden ist (was oft der Fall ist). Die Art des Bandes kann man an der Referenznummer des Bandes / der Endglieder erkennen. Passend wäre ein Oysterband mit der Ref. 9315 und den Bandanstössen 280 bzw. 380.

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Das Alter am sog. Schließencode, den ich u.a. in diesem Artikel meines Blogs beschrieben habe:

Die Rolex Codes

Erheblich preissteigernd ist das Zubehör der Uhr wie Box, Bedienungsanleitung, Anker oder gar Zertifikat.

fancybox_b211_rolex_red_sub_1680_f5 TA562-8

Doch zurück zu Alex:

Er konnte den Kauf seiner Uhr rück abwickeln und war sehr froh darüber. Dass es sich bei der oben gezeigten RedSub wirklich um ein sündhaft teures Einzelstück handelt (s.o.) glaubt wahrscheinlich nur der Verkäufer! Alle anderen Experten identifizierten sie als „nicht plausibel“.

Alex war verzweifelt und wollte seinen Traum von der RedSub aus seinem Jahrgang schon an den berühmten Nagel hängen.

Doch dann folgte diese Nachricht, die er für alle Leser um seine Beweggründe der Suche erweitert hat:

Hallo!
Die Geschichte mit der Suche nach einer Red Sub kam nun zu einem guten Ende, aber ich möchte alles der Reihe nach erzählen…
Vor ein paar Jahren kam bei mir der Wunsch auf, eine Rolex aus meinem Geburtsjahr zu besitzen. Gleichzeitig war ich von der Submariner Ref. 1680 mit roter Schrift fasziniert. Als ich dann in erfuhr, dass es im Jahr 1974 auch rote Sub´s gab, war klar, so eine muss ich haben. So begann ich – ohne jegliche Erfahrung – mit der Suche. Ich fand schnell ein paar interessante Exemplare, auch aus ´74. Ein Freund warnte mich vor Fälschungen, so rief ich bei Rolex in Köln an, um an Informationen zu den Zifferblättern zu kommen. Der sehr freundliche Uhrmacher lachte am Telefon und sagte zu mir: Wissen´s, von der Big Red gibt´s am Markt mehr Zifferblätter als wir jemals gefertigt haben, bei der roten Sub ist´s wohl genauso… – Hm, was tun? Ich recherchierte. Bei einem Online-Auktionshaus gab´s aus den USA wirklich ein Blatt mit roter Schrift für 150.- Dollar. Also Finger weg, generell? Ich fand im Internet eine Seite mit der Auflistung aller jemals produzierten Varianten, Mark I bis VI. Jetzt war ich informiert. Was ich angeboten bekam? In München eine Red Sub mit Häkchen am „m“ von meter. Dann eine „ECHTE meters only“, also nur die Angabe von Metern (wirklich…). Dann, die Krönung, eine ohne Minuterie. Aha, eine seltene Mark I? Dumm nur, dass das Zifferblatt sonst eine Mark V war.
Kurzum, wer wie ich eine solche Uhr möchte, sollte aufpassen. Oft wissen die Händler selbst nicht, dass sie eine falsche Uhr haben (so passiert in München, der sehr nette Verkäufer sagte mir nur, nein, die wollen Sie nicht haben. Hab grad erfahren, dass die falsch ist…)
Ich hab mir die Fotos von besagtem Blog auf dem ipad angesehen, dazu eine Lupe und die Uhren verglichen. War das einem Händler nicht recht, war ich sofort weg.
In Paris fand ich sie dann, sogar aus ´74. Test bestanden, sie durfte mit
Gruß Alex

Und hier ist die Traumuhr von Alex:

Attachment-1

Und eine gute Substanz hat das Gehäuse zudem!

22720754hd

Also doch ein glückliches Ende für Alex nach einer langen und lehrreichen Suche!

Also: Augen auf beim Uhrenkauf! Oder, getreu dem Motto: trau schau wem!

Und wenn man sich nicht sicher ist, dann sollte man adäquate Hilfe in Blogs, Foren oder bei sonstigen Experten suchen.

Viel Erfolg!

Kategorien:Rolex, UhrenSchlagwörter:, , , ,

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