Der IWC GST Perpetual Calendar Ref. 3756 – ein Review


Ich möchte die Reihe meiner Reviews heute mit einer weiteren, höchst interessanten Uhr aus dem Hause IWC fortsetzen. Es handelt sich um die Referenz 3756 GST Perpetual Calendar die insofern eine Neuerung darstellte, als dass es die erste Sportuhr mit ewigem Kalender war. Und mit dieser Uhr kann man wirklich Sport treiben, denn sie ist bis 120m wasserfest und das Werk (Kali IWC79261) basiert auf dem äußerst robusten wie zuverlässigen Valjoux 7750! Doch zum Uhrwerk komme ich an späterer Stelle noch mal zurück.

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Die Ref. 3756 wurde im Jahr 2001 eingeführt und war, wie der Name schon sagt, ein Teil der 1998 lancierten GST-Reihe, aus der so bekannte und legendäre Uhren hervorgegangen sind wie z.B. der GST Aquatimer Ref. 3536, der GST Chronograph Rattrapante Ref.3715 oder die GST Deep One Ref. 3527 von 1999! Der Name GST soll sich von den verwendeten Gehäusematerialien Gold-Stahl-Titan ableiten. Und so gab es die Ref. 3756 mit Stahl und Titangehäuse. (Gold wurde als Gehäusematerial nur beim GST Chronografen mit Quarzwerk und der GST Automatic Alarm verwendet).

2001 gab es zunächst die Variante in Titan mit schwarzem Blatt sowie die Stahluhren mit rhodiniertem und saumon (lachs-)farbenen Zifferblatt:
2 (Quelle: IWC)

Ab 2002 wurde das saumonfarbene Blatt durch die Varianten weiß und schwarz ersetzt. Die Uhr mit rhodiniertem Blatt sowie die Titanvariant gab es bis zum Schluss unverändert weiter.
Hier ein Bild der ab 2002 angebotenen Varianten der Ref. 3756

3(Quelle: IWC)

Im Jahr 2004 wurde die Ref. 3756 letztmalig im Katalog angeboten.
Die Uhr kostete damals 25.425,79 DM oder 13.000 Euro (2001) und zuletzt 13.300 Euro (2004).

Nun aber, nach all den einführenden Worten und der doch eher trockenen Theorie zur GST-Linie und dem GST Perpetual Calendar, mein Review zu dieser Uhr, in den auch eigene Erfahrungen in „Live-Handling“ der Uhr mit eingeflossen sind:

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1. Gehäuse und Band:
Das Gehäuse dieser Uhr ist das bekannte und kantige GST Gehäuse mit einer schier riesigen Glasfläche. Der Durchmesser liegt bei 43 mm und die Höhe der Uhr bei 16 mm. Gehäuse und Band sind gewohnt hochwertig und sauber verarbeitet. Polierte und satinierte Flächen wechseln sich ab und dadurch wirkt die Uhr für eine Sportuhr sehr edel.

Die Krone ist verschraubt und kann in zwei Positionen herausgezogen werden:
1. Rastung: Verstellen des ewigen Kalenders
2. Rastung: Sekundenstopp und Einstellen der Uhrzeit

Das Besondere der ewigen Kalender der IWC im Vergleich zu den ewigen Kalendern der meisten anderen Hersteller ist die Einstellbarkeit des Kalendariums nur über die Krone. Wie die Datumsschnellverstellung bei normalen Uhren so schaltet man auch bei dieser Uhr das Datum in der ersten Kronenposition weiter. Und die Wochentags-, Monats-, Jahres- und Mondphasenanzeige laufen einfach und exakt mit! Man kann den Kalender nur vorwärtsstellen. Wer also zu weit dreht muss entweder warten oder die Uhr einsenden. Ebenso besonders ist die vierstellige Jahresanzeige der „Ewigen“ der IWC. Mehr zur Funktion des Kalendariums weiter unten!

Die Chronografendrücker sind nicht verschraubt und halten doch 12 bar Wasserdruck stand. Sie lassen sich leichtgängig und mit präzisem Druckpunkt bedienen.

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Besonders schön anzuschauen ist der gravierte und verschraubte Bodendeckel der Uhr.

 

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Die GST-Gehäuse fanden sich in unveränderter Form bis in die jüngste Vergangenheit in der IWC-Kollektion: bei der vor kurzem abgelösten AT-Serie wurde die gleichen Gehäusemittelteile, Böden und Bänder verwendet.
Dadurch konnte man die neueren Kautschukbänder auch ohne Probleme bei den meisten älteren GST-Uhren verwenden. Umgekehrt war auch die Verwendung des alten Velcrobandes der GST-Aquatimer bei den neuen AT´s möglich. Eine sehr praktische Sache! Die Uhr wiegt in der Edelstahlausführung 187 Gramm und in Titan 137 Gramm. Am Handgelenk sitzt diese Uhr auch bei kleinem Umfang (ich habe 16,5 cm) sehr gut. Das Band passt sich gut an und bildet ein Gegenpol zum Gehäuse, so dass die Uhr nie kopflastig wirkt. Unter die Hemdmanschette passt sie, auch wenn es dann ein wenig spannt!

Das Design des Gehäuses setzt sich dann am Armband mit den polierten Mittelgliedern und satinierten großen Gliedern so fort. Vielen ist das Band der GST-Serie wohlbekannt, da es den genial einfachen IWC-Bandmechanismus besitzt, den man noch heute an den aktuellen Uhren finden kann.

 

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Mittels mitgelieferter Bandwechseldrücker kann jeder Laie das Band komplett zerlegen.

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Vorsicht ist lediglich geboten, wenn die Bänder einige Zeit in Gebrauch waren. Dann sitzen die Stifte ab und zu sehr fest und beim Versuch, die Stifte zu entfernen verbiegen oder brechen dann die Bandwerkzeuge leicht. Im schlimmsten Fall zerkratzt man sich Band und Gehäuse Abhilfe schafft hier das Einlegen von Uhr und Band in milde, lauwarme Seifenlauge oder, wenn man nur das Band hat, in ein Ultraschallbad.

 

 

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Die Schließe hat keine Möglichkeit der Feineinstellung, funktioniert aber über einen seitlichen Entriegelungsknopf absolut sicher. Diese Art der Schließe wurde bereits bei den frühen Porsche Design Uhren eingeführt und hat sich bis heute bewährt.

 

 

 

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Besonders schön ist die Perlierung einiger Schließenteile beim Stahlmodell.

 

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Das Uhrwerk
Im GST Perpetual Calendar Ref. 3756 tickt das Kaliber IWC 79261.
Es ist kein Unbekannter im IWC Portfolio! Versah es doch früher schon seinen Dienst in der Da Vinci Perpetual Calendar Ref. 3750, aber auch in
Uhren wie den Fliegerchronos Perpetual Calendar von Wempe (Ref.3757-01) und Sincere (Ref. 3757-03). Auch heute noch findet man dieses Kaliber in der neuen Da Vinci Perpetual Calendar Edition Kurt Klaus (Ref. 3762).
Basis für dieses Uhrwerk war das ausgereifte Valjoux 7750. Auf dieses Werk wurde der Mechanismus des Ewigen Kalenders als Modul aufgesetzt.
Das ist sehr praktisch, da man so auch ohne geeignetes eigenes Werk zur damaligen Zeit eine so komplizierte Uhr bauen konnte und zum anderen
dieses Modul, bestehend aus 82 Bauteilen, auf alle erdenklichen Werke aufsetzen konnte. So ähneln sich die Ewigen Kalender aller Uhrenlinien der IWC technisch sehr stark (z.B. in der Portugieser-Reihe, Grande Complication, in den Sondermodellen der Großen Fliegeruhr mit Ewigem Kalender usw.).

22(Quelle: IWC)

Das Uhrwerk hat einen Durchmesser von 30mm (13 ¼ Linien) und verfügt in dieser Ausführung über 39 Lagersteine und eine Gangreserve von 44 Stunden.

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Weitere Features des Kalibers:
28.800 Halbschwingungen / h
Incablock-Stoßsicherung
Flachspirale
Steinanker
Sekundenstopp
Breguetspirale
Anzeige von Stunde, Minute, kleiner Sekunde bei 9 Uhr, Stoppsekunde, Stoppminute, Stoppstunden (bis 12 Stunden Additionsmessung), Datum, Wochentag, Monat,
Jahr (vierstellig), Mondphase

Die Mondphasen- und Stoppminutenanzeige
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Die Anzeige der gestoppten Stunden und des Monats:
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Die vierstellige Jahresanzeige:
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Die Wochentaganzeige und die kleine Sekunde:
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und die Datumsanzeige:
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Der Kalender ist programmiert bis 2499. Nach dieser Zeit geht die Mondphasenanzeige nur einen Tag (!) falsch!

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Im Jahr 2199 muss dann der Erbe dieser Uhr zum Uhrmacher. Dann ist der Jahrhundertschieber am Ende seiner Möglichkeiten und muss gegen den mitgelieferten und in einem Glasröhrchen versiegelten neuen Schieber getauscht werden.

Hier mal ein Anblick des komplizierten Mechanismus von der Ziffernblattseite des Werkes:

30(Quelle: tz)

Dies ist die Monatszwischenrad, das auf die genauen Monatslängen programmiert ist:

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Das Modul des Ewigen Kalenders hat nur an einer Stelle Eingriff in das eigentliche Uhrwerk und ist mit vier Schrauben befestigt. Über eine Reihe von Rädern werden in der Folge alle Indikationen bewegt. Gesteuert wird alles über das Monatszwischenrad, auf dem beispielsweise ein Taster
die verschieden tiefen Vertiefungen abtastet und somit die exakte Länge aller Monate angezeigt werden kann.

Ablesbarkeit und Varianten:
Ich persönlich finde die Version mit weißem Blatt am besten Ablesbar!
Der Kontrast zwischen z.T. gebläuten Zeigern und weißem Blatt ist klasse.

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Einige Leute haben mit der Ablesbarkeit schwarzer Zifferblätter Probleme.
Ich finde die schwarze Variante in Stahl absolut edel!
33 (Quelle: Poldi)

Dagegen ist die Titanuhr mit schwarzem Blatt absolut sportlich. Das Blatt ist matt (nicht poliert wie bei der Stahluhr) und die gelben Akzente auf dem Blatt passen sehr gut!

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Das anfänglich hergestellte Saumon-Blatt spaltet die Uhrengemeinde.
Die einen finden es zu flippig, die anderen erfrischend. Speziell im Sommer
ist dieses Blatt sehr passend.

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das Rhodiné-Blatt ist auf den ersten Blick eintönig (speziell auf Bildern).
Live dagegen ist es absolut zurückhaltend, aber dennoch interessant!

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Insgesamt lässt sich die Uhr in meinen Augen stets gut ablesen und wenn man etwas Übung hat, dann klappt das auch mit einem kurzen Blick.
Einzig die doch recht breiten Minuten- und Stundenzeiger verdecken ab und zu eine Indikation. Dann muss man halt nochmal hinsehen.
Die Beschriftung gab es damals in verschiedenen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch). Ab 2002 wurde die französische Beschriftung eingestellt. Heute stellt die IWC ausschließlich englisch beschriftete Blätter und Datums-/ Wochentagscheiben her!

Btw.: man beachte mal die frühen und die späteren GST Perpetuals im Detail! In den Hilfszifferblättern bei 6 und 9 Uhr sowie die „60er“ Markierung bei 12 Uhr sind bei den Uhren ab 2002 rot. Vorher, d.h. bei den im ersten Jahr hergestellten Uhren, gab es diese roten Zahlen nicht.
Daran kann man abschätzen, wann eine solche Uhr hergestellt wurde. Ergo ist die hier getestete Uhr von 2001.

Ich kann mich bzgl. der Blattfarbe noch nicht entscheiden. Daher habe ich vorgesorgt:

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Zubehör:
Die Uhr wurde in einer großen IWC Kiste geliefert, in der auch Platz für die
Garantiekarte, die Bedienungsanleitung sowie den Bandwechselwerkzeugen und dem neuen Jahresschieber ab dem Jahr 2200

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Gesamtbewertung:
Die Ref. 3756 ist sicher eine der ungewöhnlichsten Uhren mit Ewigem Kalender, die es je gegeben hat. Zum einen ist es eine Sportuhr und zum
anderen ist sie wirklich als solche zu gebrauchen. Der Mechanismus hält Vibrationen beim Mountainbike fahren ebenso aus wie den Wasserdruck beim Schnorcheln oder die Schläge beim Tennis spielen.
Die Kinderleichte Einstellung des genialen Mechanismus des Ewigen Kalenders über die Krone ohne zusätzliche Drücker erleichtert die Bedienung enorm, wenn man die Uhr mal ein paar Tage nicht am Arm hatte. Insgesamt ein feines Stück Schaffhauser Uhrentechnik, dem (wie ich finde) auch auf dem Sammlermarkt viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wo bekommt man denn schon so einen Ewigen Kalender für unter 10.000 Euro wenn nicht mit dieser Uhr?

Vielen Dank an Mario Gensicke von Finetimepieces.com, der die Uhr wie auch einige Bilder zur Verfügung gestellt hat!

Kategorien:IWC Schaffhausen

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