Die IWC Porsche Design Kompassuhren – ein Review


In meinem heutigen Review geht es um eine wichtige Uhr aus der Zusammenarbeit von Porsche Design Salzburg und der IWC Schaffhausen.
Diese Zusammenarbeit begann wohl im Jahr 1978, einer Zeit, in der die IWC wirtschaftlich in der (Quartz-) Krise steckte (die IWC gibt in ihren Katalogen den Start der Zusammenarbeit mit 1979 an, obwohl schon 1978 PD Uhren by IWC erschienen sind?!). Die Kooperation war aus heutiger Sicht betrachtet sicherlich ein Glücksfall, brachte sie doch so schöne Klassiker wie den Porsche Design Chronographen in all seinen Ausführungen und Evolutionsstufen, die legendäre Ocean 2000 mit ihren Schwestern Ocean BUND und Ocean 500 oder eben die Uhr des heutigen Reviews, die Kompassuhr, hervor. Nebenbei erwähnt sei, dass sich die IWC durch diese Kooperation wirtschaftlich erholen konnte und wir daher heute noch über die IWC reden und schreiben können! Ebenfalls wurden in dieser Kooperation gänzlich neue Wege bezüglich der Gehäusematerialien und der Oberflächenbeschichtungen seitens der IWC beschritten. So wurde das Titan, anfangs unter großen Schwierigkeiten in der Produktion, als  Gehäusematerial eingeführt. Damit beschritt die IWC in der Schweiz absolutes Neuland und tat wahre Pionierarbeit. Auch PVD-beschichtetes Leichtmetall wurde verwendet, wie im Fall der Kompassuhr.
Die technische Evolution der IWC Porsche Design Uhren zeigte sich u.a. im Bereich der Uhrwerke, der Bänder (drei (manche sprechen von vier) Bandgeometrien; sowie im Bereich des Design durch wechselnde Zifferblattdesigns (s.u.). Die Zusammenarbeit von Porsche Design und
der IWC endete offiziell im Jahr 1997. Ein scharfer Schnitt für beide Seiten! Aber PD kaufte Eterna und setzte das PD Uhren Konzept nun mit einem eigenen Hersteller fort. Und die IWC setzte ihre Entwicklung mit den Uhren der GST-Linie fort, die den Platz der PD-Uhren einnehmen sollten. Oder sagen wir besser, die entstandene Lücke so gut es ging zu schließen. Nur so besondere Uhren wie die Kompassuhr, die es in drei wesentlichen Varianten und vielen Sonderanfertigungen im Laufe der Jahre gab, wurden seither nicht mehr gebaut! Nun zum Review:

Hier das erste Zifferblattdesign (1978-82):
1

Und das dann ab 1983 verbaute Zifferblatt:
2

Die Kompassuhr wurde 1978/79 als eine der ersten PD by IWC Modelle eingeführt. Anfänglich als Referenz 3510 geführt und im oben gezeigten Design mit einem schwarz eloxierten Leichtmetallgehäuse und Karbonfieberband gebaut, folgte ca. 1982 eine parallel produzierte dunkelgrün (sog. NATO-grün) eloxierte Variante:3 4 5

 

 

 

Die Referenz 3510 wurde etwa bis 1986 hergestellt und im Katalog gezeigt.
Es folgte die Referenz 3551 mit ebenfalls schwarz eloxiertem Leichtmetallgehäuse und einer Mondphasenanzeige bei 12 Uhr6 7

 

 

Die Ref.3551 wurde ca.1991 (manche Quellen sprechen von 1994, aber im PD Katalog taucht diese Referenz bereits 1991 auf) von der Referenz 3511 abgelöst. Diese Uhr wurde aus dem Werkstoff Titan gefertigt und ist heute die seltenste und somit gesuchteste Variante dieses Modells.8 9

 

 

Gebaut wurde diese Uhr bis ca. 1996/97, also bis zum Ende der Kooperation. Im Unterschied zu den Referenzen 3510 und 3551, welche ein Band der ersten Bandgeometrie hatten, verfügt die Ref. 3511 über ein durch gestiftetes Titanband der sog. 3.Generation. Auch ist bei der Ref. 3511 die Aufzugskrone auf die komfortablere „4 Uhr Position“ gerückt. Dann drückt die Krone nicht so sehr in den Handrücken wenn man die Uhr links trägt und das Handgelenk nach oben anwinkelt! In allem steckt hier eben ein Sinn…! Diese Kronenpostition hat sich schon bei der Ocean 2000 bewährt!

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1. Gehäuse und Band:
Das bis 3 bar wasserdichte Gehäuse dieser Uhr wurde im Laufe der Jahre aus verschiedenen Gehäusematerialien (s.o.) hergestellt. Anfänglich aus schwarz oder grün eloxiertem Leichtmetall wurde die spätere Variante der Uhr aus Titan gefertigt. Wenige Sondermodelle gab es im Goldgehäuse bzw. vergoldeten Gehäuse. Die Leichtmetallgehäuse hatten einen
Durchmesser von 39 mm, der bei der Titanvariante auf 40 mm anwuchs.
An technischen Raffinessen spart das Gehäuse nicht! Wenn man die bei 6 Uhr angebrachten Drücker beidseits betätigt, dann klappt die Kapsel, in der sich die eigentliche Uhr befindet, bis zu einem Öffnungswinkel von 45 Grad per Federkraft nach oben und der Blick auf dem 3mm dicken
Kompass wird frei.

 

 

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Insgesamt ist das Gehäuse nur 12,2mm hoch!

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Das Kompassmodul ist drehbar und herausnehmbar

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Gepeilt wird über einen Spiegel, der auf der Unterseite des Uhrenmoduls angebracht ist16 17

 

 

In diesem Gehäuse steckt jede Menge know how!

Die Krone ist bei den Referenzen 3510 und 3551 nicht verschraubt und kann in zwei Positionen gezogen werden. Bei der Ref. 3511 ist sie verschraubt und kann in drei Positionen herausgezogen werden:
1. Position: Stellen des Datums
2. Position: Stellen der Mondphasenanzeige (nur bei der Ref. 3551)
2. bzw. 3. Position:
Sekundenstopp und Einstellen der Uhrzeit

Aber auch das Band hat es in sich! Sowohl die Bänder der ersten Generation als auch das der dritten Generation hatten einen Schnellentriegelungsmechanismus, mit dem das Band an der Schließe getrennt werden konnte (der silberfarbene Pin im nächsten Bild)

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Damit konnte man die Uhr flach auf eine Karte legen und die Position bestimmen oder auch Distanzen abschätzen. Hierzu muss man wissen, dass die IWC die Bandglieder der Kompassuhr exakt 5 mm breit gestaltet hat

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Ein pfiffiges Detail, welches den Nutzwert der Uhr wesentlich erhöht hat!
„form follows function“ ist bei Porsche Design eben nicht nur ein Spruch, sondern wird aktiv gelebt! An der Uhr befindet sich nichts ohne Nutzen!

Die Schließe ist bei den Ref. 3510 und 3551 die altbekannte und noch heute verwendete IWC-Schließe an Metallbändern.

 

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Man stelle sich das mal vor: seit 30 Jahren wird dieser Schließen-Mechanismus nahezu unverändert gebaut! Oder anders herum: welche Qualität der Schließen fand man 1979 z.B. bei Rolex Sportuhren???
Zumeist gestanzte und klapperige Blechschließen. Die Schließe der Titanvariante Ref. 3511 hatte aber noch eine Besonderheit, die man heute auch bei der IWC bei vielen Modellen vergebens sucht: sie hatte einen Verstellmechanismus, mit dem man die Uhr ein paar Millimeter weiter oder enger machen konnte.

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Diesen Mechanismus gab es zeitgleich auch bei den PD Chronographen etwa ab 1994.

Die Uhr trägt sich auf Grund des geringen Gewichtes und der moderaten Abmessungen erstaunlich komfortabel. Typisch PD by IWC eben!
Die Uhr macht einen sehr hochwertig verarbeiteten Eindruck! Das Spiel an den Gelenken ist minimal und die Mechanik des Gehäuses funktioniert auch nach Jahren noch einwandfrei.
Einzig die eloxierte Oberfläche der schwarzen und grünen Uhren neigt nach Jahren zu Beschädigungen. Diese kann die IWC zwar reparieren, aber das ist sehr aufwändig und teuer!

Bezüglich des Uhrwerkes hat sich die IWC auf bewährte ETA-Technik abgestützt. Allerdings musste sowohl Werk als auch Uhrwerk antimagnetisch sein, sonst würde der Magnetismus die Funktion des Kompasses beeinflussen und ihn ungenau machen. Daher schied auch ein Quartzwerk aus! Aus dem gleichen Grund fiel die Wahl bei den Gehäusematerialien auf amagnetisches Leichtmetall und Titan. Somit wurden alle magnetischen Werkteile seitens der IWC gegen amagnetische Pendants ausgetauscht.
Die Uhrwerke der Kompassuhren:

Ref. 3510 IWC Kal. 375, später 37532
Ref. 3551 IWC Kal. 3754
Ref. 3511 IWC Kal. 37523

Weitere Features des
Kalibers IWC 37523 der Ref. 3511:
28.800 Halbschwingungen / h
Incablock-Stoßsicherung
Flachspirale
Steinanker
Sekundenstopp
Breguetspirale
22 Rubine
rubingelagerter (9 Rubine) und stoßgedämpfter Rotor (übrigens ist auch die Kompassnadel beidseits stoßgedämpft aufgehängt)
Anzeige von Stunde, Minute, Sekunde, Datum

Zubehör:
Die Uhr wurde in typischen schwarzen und runden Lederbox geliefert, in der auch Platz für einen Schraubendreher ist. Die Garantiekarte, die Bedienungsanleitung sowie das Bandwechselwerkzeug (Bandgeo 3) sind natürlich auch dabei.

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Die Kompassuhr Ref. 3510 wurde 1982 für 2.750 DM angeboten. Damals ein stolzer Preis für eine Sportuhr! 1984 kostete sie schon 3.250 DM. Die Ref. 3551 wurde trotz Zusatzfunktion zum gleichen Preis angeboten. 1996 kostete die Ref. 3511 (die zu diesem Zeitpunkt bereits ab Fabrik ausverkauft war!) üppige 6.400 DM!

Varianten:
Neben den schwarzen und NATO-grünen Leichtmetallvarianten, der Ref. 3551 mit Mondphase und der Ref. 3511 in Titan gab es wohl etliche
Sonderausführungen der Kompassuhr z.B. mit anderen Bändern (z.B. Textilband).
Außerdem gab es Sonderausführungen z.B. für arabische Länder in Gold- oder goldaufgelegten Gehäusen und Bändern:

 

 

 

24 25 26 27(Quelle der Bilder: Vintage IWC)

oder die hier: schwarz eloxiert mit Wappen auf dem Blatt:

 

28 29(Quelle: Chrono24)

oder diese hier mit arabischen Schriftzeichen:

30(Quelle: Chrono24)

Gesamtbewertung:
Die Kompassuhren der IWC gehören sicher zum erhaltens- und erinnernswerten Erbe der IWC. Technisch ausgefeilt und absolut einsatztauglich sind es typische Porsche Design Uhren made by IWC.
Aber auch diese Uhren sind heute am Markt m.E. massiv unterbewertet, wenn man mal von der Ref. 3511 absieht. Wenn Ihr mal solch eine Uhr irgendwo liegen seht, dann nehmt Euch die Zeit und riskiert einen näheren Blick! Es lohnt sich! Faszinierend sind die IWC Kompassuhren dennoch! Auch nach über dreißig Jahren!

Vielen Dank an Mario Gensicke von Finetimepieces.com, der die Uhr wie auch einige Bilder zur Verfügung gestellt hat!

Kategorien:IWC Schaffhausen

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