A. Lange & Söhne – Terraluna


A. Lange & Söhne – Terraluna

Der Begriff „Terraluna“ ist bei A. Lange & Söhne Teil der Bezeichnung einer der faszinierendsten Uhren aus Glashütte: der Richard Lange Perpetual Calendar „Terraluna“.

Dieses Modell mit den Referenzen 180.026 in Weißgold und 180.032 in Rotgold ist eines von 15 Modellen aus dem Hause A. Lange & Söhne, die eine Mondphasenanzeige besitzen. Doch das sieht man diesem Modell auf den ersten Blick gar nicht an.

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Wie der Name weiter verrät handelt es sich bei der Uhr um einen Zeitmesser, der ein ewiges Kalendarium in sich trägt. Aber auch das erkennt man erst auf den zweiten Blick.

Ähnlich der Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender hat Lange es auch bei diesem Modell geschafft, höchst nützliche Anzeigen so zu platzieren und zu integrieren, dass die klassische Optik der Uhr nicht von diesem Anzeigen gestört wird.

Die „Terraluna“ zeigt zusätzlich zur normalen Zeitanzeige noch das Datum über das mittig platzierte Großdatum an.

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In kleinen Fenstern werden ferner der Wochentag und der Monat sowie das Schaltjahr angezeigt.

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Doch die Mondphasenanzeige, die in ihrer Ausführung absolut einzigartig ist und die das eigentlich besondere Feature dieser Uhr ist, sucht man auf dem Zifferblatt vergebens.

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Erst wenn man die Uhr wendet und sich die Rückseite genauer anschaut, was ich bei eine Uhr aus dem Hause Lange in jedem Fall empfehlen kann, erblickt man die Anzeige der Monphasen.

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Wobei diese Formulierung nicht wirklich zutreffend ist. Denn, präzise ausgedrückt, zeigt die „Terraluna“, neben der eigentlichen Mondphase, auch die Stellung des Mondes in Relation zu Erde und Sonne sowie die aktuelle Stellung der Erde zur Sonne, also wo gerade Tag bzw. Nacht ist auf unserem Planeten.

Terraluna Erde-Sonne-Mond

Doch wie werden diese verschiedenen Anzeigen realisiert? Das Kaliber der „Terraluna“ trägt die Bezeichnung L096.1. Den versierten Lange-Aficionados und Lesern dieses Blogs sagt dies, dass dieses Lange-Uhrwerk in 2009 entwickelt worden ist. Es ist das sechste (6) Uhrwerk, das in diesem Jahr bei Lange entwickelt worden ist. Und von diesem Uhrwerk ist es die 1. Version.

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Dieses mikromechanische Wunderwerk setzt sich aus unglaublichen 787 Einzelteilen zusammen. Nicht weniger als achtzig Lagersteine sorgen für einen reibungsarmen Gang der Uhr. Neben diesen Daten und den bereits beschriebenen Funktionen fasziniert eine Gangreserve von vierzehn Tagen, also nicht weniger als 336 Stunden. Angezeigt wird dies in einem ebenfalls sehr unauffälligen Fenster auf der Vorderseite der Uhr.

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Doch zurück zur höchst komplexen Anzeige der Mondphasen und der Stellung von Erde und Sonne.   A. Lange & Söhne realisiert diese Anzeigen über drei übereinander liegende, sich drehende Scheiben.

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Die mittlere der drei Scheiben stellt, unschwer zu erkennen, die Erde dar. Diese Scheibe dreht sich einmal in 24 Stunden um die eigene Achse, exakt so, wie dies unser Planet tatsächlich tut.

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Die Sonne wird in diesem Uhrwerk von der der Unruh dargestellt. Schaut man über die Unruh in Richtung Erde, so sieht man die aktuelle Tagseite der Erde. Die davon abgewandte Seite stellt die Nachtseite dar.

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So kann man direkt auf den ersten Blick erkennen, wo auf der Erde gerade Tag und wo gerade Nacht ist.

Die exakte Mondphase wird über einen kreisrunden Ausschnitt in der großen Scheibe dargestellt, welche die Erdscheibe umkreist und auf der ein wunderbar ausgeführter Sternenhimmel zu sehen ist.

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Diese große Scheibe wird in einem sehr speziellen Verfahren hergestellt. Alle Scheiben der „Terraluna“ bestehen aus Weißgold. Die Sterne sind gelasert. Der Kleinste von ihnen ist gerade einmal 0,07mm groß. Die blaue Beschichtung der Scheibe ist an sich sehr speziell, absorbiert sie doch das gesamte Spektrum des Tageslichts außer den blauen Anteilen. Dies führt zu einer tiefblauen Erscheinung dieser Scheibe. Die gleiche Technologie wird bei der Herstellung der Mondscheibe der im Jahr 2014 präsentierten Großen Lange 1 Mondphase angewendet.

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Unter dieser großen, blauen Scheibe dreht sich die dritte Scheibe, über welche die exakte Mondphase in dem kleinen Ausschnitt dargestellt wird. Und noch etwas kann man an dieser Anzeige ablesen: die Stellung des Mondes zur Erde und zur Sonne (Unruh). Und so zeigt die Mondphase tatsächlich Neumond an, wenn der Mond exakt zwischen Erde und Sonne steht. Und Vollmond wird angezeigt, wenn die Erde exakt zwischen Sonne und Mond steht.

Neumond:

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Zunehmender Mond

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Vollmond

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Abnehmender Mond

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Es stellt schon eine herausragende Leistung dar, derart viele verschiedene Anzeigen, die der Zeit, des Ewigen Kalenders und die Anzeigen der Konstellation „Sonne, Erde, Mond“ in die Realität umzusetzen. Und aus diesen komplexen Anzeigen erklärt sich dann auch der Name der Uhr „Terraluna“.

Derartige Anzeigen benötigen ständig enorm viel Energie in der exakten Dosis. Hierzu verfügt die „Terra Luna“, wie andere Modelle von A. Lange & Söhne auch, über ein sog. Nachspannwerk, welches die Energie für die vielen Anzeigen zur Verfügung stellt, ohne dass die Ganggenauigkeit der Zeitanzeige darunter leider würde.

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Und hier findet man das Nachspannwerk im Uhrwerk

Nachspannwerk

Natürlich könnte ein Uhrwerk mit einer so außergewöhnlich großen Leistungsreserve von vollen 14 Tagen ohne weitere technische Vorkehrungen nicht über einen derart langen Zeitraum mit stabilem Gang laufen. Denn vor eine gleichmäßige Energieabgabe haben die Gesetze der Physik die Tatsache gestellt, dass eine Feder, die sich entspannt, immer mehr von ihrem Anfangsdrehmoment verliert.

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Mit nachlassendem Drehmoment nimmt die Schwingungsweite (Amplitude) der Unruh ab und die Genauigkeit lässt nach. Gegen dieses eherne Gesetz hat bereits Leonardo da Vinci vor 500 Jahren das Prinzip von Schnur und Schnecke erfunden. Es bedient sich der Hebelwirkung, die das nachlassende Drehmoment der Feder weitgehend ausgleicht. Als Antrieb über Kette und Schnecke ist dieses Prinzip in mehreren Lange-Uhren der Neuzeit zum Einsatz gekommen z.B. dem Tourbillon „Pour le Mérite“ und dem TOURBOGRAPH „Pour le Mérite“.

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Aber bei 14 Tagen Gangreserve wäre diese Konstruktion allein schon von den Dimensionen der dafür benötigten Teile her nicht möglich gewesen. Also haben die Lange’schen Konstrukteure einen anderen Weg gesucht – und gefunden. Die Lösung ist ein Nachspannwerk zwischen Doppelfederhaus und Hemmung. Eine aufwändige Konstruktion, die dafür sorgt, dass immer – das heißt unabhängig davon, wie weit die Feder entspannt ist – gleich viel Energie an die Hemmpartie abgegeben wird.

Der Mechanismus bewirkt, dass eine vorgespannte Antriebsspirale auf der Sekundenradwelle beim Entspannen eine immer gleiche Energiemenge an das Ankerrad weitergibt. Alle zehn Sekunden wird diese an einem Spiralklötzchen befestigte Spiralfeder an ihrem äußeren Ende wieder um 60 Grad nachgespannt. Nun muss es noch eine Vorrichtung geben, die diesen Bewegungsablauf zuverlässig und präzise steuert. Diese Aufgabe übernimmt die Unruh. Sie bewirkt nicht nur den gleichmäßigen Lauf der Sekundenwelle, durch die die genaue Zeit angezeigt wird, sondern zugleich auch den zyklischen Aufzug des Nachspannwerks. Dies geschieht über ein Reuleaux-Dreieck, eine Kurvenscheibe in Form eines gleichseitigen Dreiecks mit konvexen Seiten, die auf der Sekundenradwelle befestigt ist. Alle zehn Sekunden, das heißt nach jeder Drehung von 60 Grad, bewegt es einen raffiniert konstruierten Schwenkhebel. An seiner Innenseite greifen zwei Paletten abwechselnd in ein Rad mit nur einem Zahn, das über ein Räderwerk mit dem Federhaus verbunden ist, und hemmen dessen Lauf nach jeder 180-Grad-Drehung. Mit jeder Drehung wird die zuvor beschriebene Antriebsspirale blitzschnell wieder ein Stück nachgespannt und die dabei aufgenommene Energie über die nächsten zehn Sekunden an das Ankerrad abgegeben. Zwar schwankt der Drehmomentverlauf innerhalb dieser zehn Sekunden minimal, im Durchschnitt jedoch bleibt die Energieabgabe konstant – 14 Tage lang und trotz der ständigen Abgabe von Energie an die vielen Anzeigen der Uhr. Der Bewegungsablauf des Nachspannwerks, der äußerlich dem einer Hemmung gleicht, kann durch den Saphirglasboden beobachtet werden. Ein transparenter Saphirlagerstein gibt den Blick frei auf das spannende Zusammenspiel von dreieckiger Kurvenscheibe und Schwenkhebel. Das Nachspannwerk verhindert also, dass das nachlassende Drehmoment aus dem Doppelfederhaus den Gang der Uhr negativ beeinflusst. Das Ergebnis: gleiche Energieabgabe, gleiche Amplitude, gleiche Ganggenauigkeit bis zum 14. Tag. Dann stoppt ein Abschaltmechanismus das Uhrwerk. Theoretisch könnte das Werk also noch weiter laufen. Doch dann fiele die Kraft der Zugfeder unter das Drehmoment der Zusatzspirale und das Nachspannwerk könnte seine Funktion nicht mehr zuverlässig erfüllen. Das Prinzip des konstanten Antriebs beschäftigte bereits Ferdinand Adolph Lange. Für seine Präzisions-Taschenuhren erfand er um 1866 eine Konstantkraft-Hemmung mit springender Sekunde, ein so genanntes „Sekunden-Remontoir“. Eine verwandte Konstruktion entwickelte er später für die große Hausuhr im Lange-Stammhaus, die mit ihrem fast zehn Meter langen Pendel noch heute die genaue Zeit anzeigt.

Vorgestellt wurde die „Terraluna“ im Jahr 2014 auf dem SIHH in Genf. Wer das Konzept des dortigen A. Lange & Söhne Messestandes kennt der weiß, dass das jeweilige Spitzenmodell des Jahres im Mittelpunkt des Entrées steht. So auch die „Terraluna“ in besagtem Jahr.

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Ich konnte die Uhr dort „live“ sehen und in den Händen halten. Und es ist eine der Uhren, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat.

Auf der Rückseite des großen Modells auf dem SIHH konnte man die Funktionen der Uhr und des Uhrwerks anschauen

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Es gibt die „Terraluna“ in zwei Varianten: in einer Rotgold- und in einer Weißgoldvariante.

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Referenz 180.032 im Rotgoldgehäuse

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Referenz 180.026 im Weißgoldgehäuse

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Derart viel Feinmechanik benötigt ihren Platz und so misst die Uhr stolze 45,5mm im Durchmesser und 16,5mm in der Höhe.

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Hier nun noch einige Ansichten dieses Modells.

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Die Marke A. Lange & Söhne steht für feinste Uhren, höchste uhrmacherische Kompetenz und, seit jeher, auch für faszinierende Komplikationen. In diese Tradition reiht sich die Richard Lange Ewiger Kalender „Terraluna“ perfekt ein. Aber bei Lange „wärmt“ man nicht nur bereits bekannte Komplikationen auf. Vielmehr interpretiert man sie neu und schafft somit einen zusätzlichen Nutzen. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist die Art der Anzeige von Mond und Erde und der Stellung dieser Himmelskörper zur Sonne. In meinen Augen macht genau diese Innovationsfreude, umgesetzt in höchster Güte, einen erheblichen Teil des Reizes aus, den A. Lange & Söhne auf mich ausübt.

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Ich bin gespannt, womit uns A. Lange & Söhne in der Zukunft noch begeistern wird…!

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