Die technischen Finessen des Datographen


Der Datograph von A. Lange & Söhne erfreut sich ja aktuell größter Beliebtheit. Und auch ich liebe meinen Datographen heiß und innig!
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Doch neben dem tollen Design der Uhr und dem Anblick des wunderbaren Manufaktur-Kalibers weist dieses Modell aus dem Hause Lange einige technische Finessen auf, die manch einer gar nicht bewusst wahrnimmt.

Klar, im Fall des „alten“ Datographen ist jeder Uhrenfreund sofort begeistert vom Kaliber L951.1, einem wunderbaren Schaltrad-Chronographen, der von Grund auf bei Lange entwickelt worden ist.
IMG_1712 IMG_1713 Es ist ja auch ein bildschönes Uhrwerk! und ein sehr komplexes Werk mit 405 Einzelteilen

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Andere technische Leckerbissen von Lange wie das 66 teilige Großdatum, dass ich hier schon in einem separaten Artikel beschrieben habe, fallen einem sofort ins Auge.
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Aber, wie so oft, liegt auch beim Datographen das Interessanteste im Detail.

Zwei Dinge machen den Datographen noch interessanter: der Flyback-Mechanismus und der exakt springende Minutenzeiger des Chronograhen.

Der Flyback-Mechanismus
Diese technische Spezialität des Datographen wird sogar auf dem Zifferblatt erwähnt

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Mittels Flyback-Mechanismus kann man den laufenden Stoppsekundenzeiger „im Fluge“ auf Null stellen. Läuft der Chronograph, so braucht man nur den Rückstell-Drücker bei vier Uhr Uhr betätigen und  schon schnellt der Stopp-Sekundenzeiger auf null zurück und beginnt sofort eine neue Zeitmessung. Auch der Minitenzähler des Chronographen wird auf null gesetzt. Bei einem normalen Chronographen müsste man erst den Chronographen stoppen, auf null stellen und dann wieder starten, um den gleichen Effekt zu erzielen. Kurz ausgedrückt: einen Drücker betätigen vs. dreimal verschiedene Drücker betätigen.
Und natürlich ist der dazu notwendige Mechanismus ein hoch komplexer Leckerbissen.

Hier genau spielt sich alles ab:
3a26997be76365d258fcda614236e5b21 Der Mechanismus, zusammen mit anderen funktionalen Teilen, im Detail:
IMGIn Farbe sind die verschiedenen Teile etwas leichter zu erkennen:

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Genauer gesagt gehört der große Hebel (Nullstellhebel, 2) ganz oben (rechts oben wäre der Rückstelldrücker (1), am Gehäuse außen bei vier Uhr, zu finden), der Hebel (Herzhebel, 3) der rechts oben neben dem Schaltrad (10) vom ersten Hebel angesteuert wird sowie die Herzscheibe (7) am Chrono-Sekundenrad (in der Bildmitte, 6) zum Flyback-Mechanismus. Darüber hinaus existiert noch der Flyback-Hebel (4), der direkt über dem Chrono-Sekundenrad (Bildmitte, 6) liegt.

Betätigt man den Rückstelldrücker (1) bei laufendem Chrono, so bewegt der vom Drücker abgehende große Nullstellhebel (2) zuerst den Flyback-Hebel (4) und wirkt als Kupplung (im Bild das Rad mit dem dreifach verschraubten Chaton, 8) und entkoppelt den Chrono-Sekundenzeiger (6) vom Eingriff der kleinen Sekunde (9). Der Chronograph stoppt kurz und dann, im Bruchteil einer Sekunde werden Sekunden- und Minutenzähler auf Null gestellt. Dies geschieht wie folgt: gleichzeitig zum Druck auf den Flybackhebel (1) betätigt der Nullstellhebel (2) auch den Herzhebel (3) daneben. Dieser Herzhebel drückt nun über seine beiden Paletten (an der rechten Flanke des Herzhebels, 5) auf die Herzscheiben der Chrono-Sekunde (in der Bildmitte, 6 und 7) und des Chrono-Minutenzählers (nicht abgebildet). Die Paletten (5) drücken solange gegen die Herzscheiben (7), bis die Zeiger auf Null stehen. Die beschriebene Bewegung der Hebel wird durch die gestrichelten Linien dargestellt.
Dies alles läuft im Bruchteil einer Sekunde ab. Lässt man den Nullstelldtrücker (1) los, so greift das Rad der kleinen Sekunde (9) sofort wieder in das Rad der Chrono-Sekunde und der Chronograph läuft wieder an. Dieser komplexe Mechanismus fasziniert mich wirklich.

Der exakt springende Minutenzähler
Es gibt Chronographen, bei denen „schleicht“ der Minutenzähler vor sich hin. Man kann in diesen Fällen kaum genau ablesen, wie viele Minuten man bereits gemessen hat.

A. Lange & Söhne realisierte beim Datographen eine exakt springenden Minutenzähler. Und natürlich steckt auch dahinter wieder jede Menge technische Finesse.

Hier spielt sich die exakt springende Chrono-Minute ab
40cacb6160d279e6d2d3f544c546911ad Über diesen langen Schalthebel wird der Minutenzähler exakt geschaltet. Bei normalen Chronographen würde dies über Zahnräder geschehen.
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Und der gesamte Mechanismus im Detail:
2 Und so funktiert er:
Nach dem Starten des Chronographen beginnt der Chrono-Minutenzeiger (am Chronozentrumsrad, 1) seinen Lauf. Am Chronozentrumsrad sitzt eine Stufenschnecke (2), die über die Rubinpalette (3) des Minutenzähl-Schalthebels (4) abgetastet wird. Die Stufenschnecke (2) drückt stetig steigend auf den Minutenzähl-Schalthebel (4) und dieser drückt auf die bewegliche Klinke (5). Nach exakt einer Minute ist die Stufenschnecke an ihrem Ende angelangt. Dann fällt die Rubinpalette (3) ab, der Minutenzähl-Schalthebel (4) bewegt sich zurück und damit auch die bewegliche Klinke (5). Die Klinke hakt dabei in ein Zahn des Minutenzählrades (6), an dem der Minutenzählzeiger des Chronographen sitzt, ein und bewegt den Zeiger exakt um eine Minute weiter. Und das ganze beginnt erneut und vollzieht sich zu jeder vollen, gestoppten Minute.

Es steckt also ganz schön viel technologische Rafinesse im Datographen von A. Lange & Söhne.
In der neuen Version existieren diese beiden Funktionen baugleich zur alten Version. Im 1815 Chronographen und auch im Datograph Perpetual sind diese Funktionen ebenfalls zu finden.

Der Datograph ist wirklich mein „Gral“ im Bereich der mechanischen Uhren.

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