The beautiful beast- Die Rolex Deep Sea


Ursprünglich begann meine Leidenschaft für Uhren auch mit einer IWC Ocean 2000 Anfang der 1990er Jahre. Aber schon kurze Zeit später packte mich die Begeisterung für Rolex  und so kamen im Laufe der Zeit doch einige Rolex-Uhren in meine Sammlung. Es waren eigentlich alle Stahl-Sportmodelle, die man sich als normaler Mensch leisten kann und will.  Und dann, es war anno 2008, präsentierte Rolex dieses riesige „Beast“ namens Sea Dweller Deep Sea als Ersatz für die wunderbare Ref. 16600. Als passionierter Taucher, Tauchlehrer und Rolex-Taucheruhren-Liebhaber war diese Uhr trotz allem oder gerade deswegen interessant für mich. Endlich wieder eine professionelle Toolwatch!

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Und genau hier beginnt der aktuelle Teil der Geschichte. Fast schon skeptisch verfolgte ich die Berichte der ersten Deep Sea Besitzer in den diversen Rolex-Onlineforen und Blogs, die zwischen absoluter Begeisterung und dem Vorwurf der Untragbarkeit schwankten. Und viele Leute trennten sich schnell wieder von der Uhr. Schön war sie ja, technisch interessant in jedem Fall und über die Qualität brauchen wir gar nicht zu reden. Und irgendwie mag ich Uhren die polarisieren. Damals war es bei der Ocean 2000 genauso.  Und so kam ich zur Rolex Sea Dweller Deep Sea, die meine Begeisterung für Rolex neu entfacht hat!

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Nun habe ich dieses „beauty beast“ seit einiger Zeit und möchte von der Uhr und allem drum herum berichten. Klar ist diese Uhr nichts für jeden! Schon die 44 mm Durchmesser, vielmehr aber die 18 mm Bauhöhe schränken den Kreis der Träger erheblich ein. Und als dann noch reihenweise Leute mit größer gleich 19 cm Handgelenksumfang diese Uhr als untragbar eingeschätzt haben, schwankte ich auch etwas. Immerhin zeigen meine Handgelenke zarte 17,5 cm Umfang. Ich möchte es gleich vorweg nehmen: ja, diese Uhr ist tragbar! Auch für mich. Entscheidend ist nicht nur der Umfang des Handgelenks sondern eher dessen Breite! Und nachdem man sich an das Gewicht der Uhr (ca. 200 Gramm) gewöhnt hat trägt sie sich absolut klasse!

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Diese Uhr sieht an meinem Handgelenk riesig aus, aber „live“ ist es halb so wild.

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Und wenn selbst sie hier diese Uhr stilvoll tragen kann….!

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Und hier der Größenvergleich zwischen der Ref. 16600 und ihrer Nachfolgerin, der Sea Dweller Deep Sea:

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Beeindruckend und 100% Rolex ist der technische Aufbau dieser Uhr! Das extrem dicke und erstmals gewölbte Safirglas sitzt auf dem Ring-Lock-Ring aus 904L Edelstahl. Von der Unterseite wird das Ring Lock system von einem Boden aus Titan Grad 5 hermetisch abgeschlossen.  Zusammen mit der größeren Triplock-Krone garantiert diese Konstruktion eine beeindruckende Wasserfestigkeit der Uhr von 3900 Metern oder 12800 Fuß.

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(Quelle: Rolex)

Nicht dass man diese Wasserfestigkeit jemals brauchen würde (nicht mal 300 Meter bräuchte man als Taucher…)! Aber schon die Möglichkeit fasziniert. Und die Umsetzung dieses Konzeptes. Warum Rolex so etwas baut? Weil man es in Genf kann!

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Aber es war von Rolex nur konsequent, die Sea Dweller dergestalt weiter zu entwickeln. Brachial, aber noch immer Evolution! Die Sea Dweller DNA ist noch immer und auch abseits der Schriftüge klar erkennbar.

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Und in meinen Augen ist es die letzte wirklich konsequente Toolwatch von Rolex!

In der Vergangenheit gab es ja schon mal ein Modell von Rolex das den Namen Deep Sea trug, allerdings mit dem Zusatz „Special“.

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Und in diesem Fall würde ich tatsächlich von „untragbar“ sprechen! Aber das war eine Experimentelle Uhr die ganz bewusst an die Grenzen des Machbaren gehen sollte. Eine dieser Uhren tauchte zusammen mit der Trieste in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den Mariannengraben herab und erreichte so die größte zu erreichende Tiefe unter Wasser

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Und auch in der jüngeren Vergangenheit testete Rolex die Grenzen in der Tiefsee aus. Im März 2012 tauchte James Cameron hinab in das über 10.800 Meter tiefe „Challenger Deep“.

Und auch bei diesem Tauchgang war eine Uhr an der Außenseite des Tauchbootes befestigt. Es ist die große Schwester meines „beautiful beasts“, die Deep Sea Challenge.

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Mehr über die Tiefssee-Tauchprojekte von Rolex gibt es hier in meinem Blog zu lesen:

https://100percentpassion.net/2014/08/05/rolex-deep-sea-special-deepsea-challenge/

Wer mich kennt der weiß, dass ich mich sehr für die technischen Details einer Uhr und auch des Armbandes interessiere. Rolex baut das aus meiner Sicht beste Stahlband derzeit! Das Stahlband ist absolut passgenau in das Gehäuse eingefügt:

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Da wackelt nichts!  Befestigt ist es über übliche, allerdings sehr massive Federstege:

Wie schon seit Jahren Standard bei Rolex sind die letzten Bandglieder der Rolex-Bänder verschraubt:

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Die Schließe nennt sich nun Glidelock-Schließe und der Name ist Programm!  Geprägt von den Blechschließen früherer Rolex-Modelle ist diese hier ein echter positiver Kulturschock für mich. Diese Schließe ist nicht nur perfekt verarbeitet! Sie ist auch die Durchdachteste die ich kenne. Mehr zu den verschiedenen Bandsystemen von Rolex habe ich veröffentlicht:

https://100percentpassion.net/2014/08/23/glidelock-oysterlock-fliplock-co/

Auch hier untermauert sich der ultimative Toolwatch-Eindruck, denn diese Schließe ist in idealer Weise an die Bedürfnisse von Tauchern angepasst! Gesichert wird die zugegeben große Schließe durch einen Sicherungsbügel

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In der Draufsicht könnte man denken, dass das Schließenoberteil aus einem Stück besteht

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Da ist kein Spalt zu erkennen! Doch dazu später mehr!  Geöffnet wird die Schließe über einen drehbar gelagerten Hebel
Normalzustand:

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…der Hebel ist hochgehoben (zur besseren Darstellung habe ich ihn fixiert; normalerweise
geht der federnd gelagerte Hebel wieder in seine Normalposition zurück wenn man ihn loslässt)

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…und schon öffnet sich die Schließe28

 

Hier in der Ansicht die Teile des Verschlusses, welche die Schließe verriegeln:

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Hier die Unterseite. Man kann man die Feder erkennen.

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Auch die alten Bänder der Sea Dweller hatten ein ausklappbares Verlängerungsglied,  welches auch in etwas längerer Ausführung im Toolset nochmal vorhanden war. Doch verglichen mit dem, was Rolex nun entwickelt hat, ist das alte System geradezu vorzeitlich. Einerseits kann man das Band (auch bei angelegter Uhr) um bis zu 18 mm in der Länge ändern. Das ging früher nicht, musste man doch die Enden eines Federstegs zusammendrücken und dann das Band schrittweise herausziehen.
Beim neuen Band kann man das Mittelteil des Oberteils der Schließe hochklappen und das Band so verlängern

 

 

Und ein Ansicht von schräg oben:

 

Man kann sehr schön das Sägezahnprofil am ausgeklappten Teil erkennen und in der Schließe den Haken, in den das Profil eingreift wenn man das Mittelteil wieder herunterklappt. Hochgeklappt kann man das Band nun herausziehen. Es gleitet in einer beidseitigen Nut, daher der Name „Glidelock“.

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35Und eine technische Zeichnung der Schließe

-minimale Länge und geschlossen

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(Quelle: Rolex)

-maximale Länge und geöffnet

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(Quelle: Rolex)

Und so sieht das dann live aus:

…minimale Länge

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…maximale Länge39

 

Das Band kann bei geschlossener Schließe, ohne dass man den Hebel hochklappen muss, wieder hinein geschoben werden. Lediglich der Sicherungsbügel der Schließe muss hochgeklappt werden. Das ebenfalls federnd gelagerte Mittelteil der Schließe klappt beim Hineinschieben des Bandes automatisch hoch. Wenn die gewünschte Länge erreicht ist klappt man das Mittelteil einfach wieder herunter und fixiert das gleitende Teil, an dem das Band hängt.

Doch dass ist noch nicht die eigentliche Tauchverlängerung! Diese bietet noch zusätzliche Variabilität hinsichtlich der Bandlänge und fällt eingeklappt kaum auf:

 

40Ansicht von unten

 

41…und so klappt man sie aus…

 

 

 

 

…Zustand komplett ausgeklappt46

 

Damit gewinnt man noch mal gut 48 mm Länge, wichtig, wenn man die Uhr über einem Taucheranzug tragen will.
Und noch zwei Ansichten von unten und oben:

 

 

Hier noch ein paar Eindrücke der Schließe. Alles an dieser Schließe ist massiv und wertig.

 

 

 

Und da sind sie wieder! Diese Details, die ich so liebe und die man auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt! Im Bereich der Taucherverlängerung existiert ein kleiner federnd gelagerter Stift.
Hier der Blick von der Seite:

 

55Zusammengeklappt kann man nur wenig sehen:

 

56Klar hätte man das auch anders, äh einfacher lösen können! Aber Rolex wäre nicht Rolex, wenn sie dieses Detail nicht so verschleißarm und durchdacht gelöst hätten

Klack und schon ist die Verlängerung sicher arretiert

Hier nochmal die technischen Unterlagen zum Band. Neben dem neuen Band samt perfekter Schließe fällt natürlich sofort die Cerachrom-Lünetteneinlage auf

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Diese Uhr weiß wirklich zu begeistern!

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Selbst in der Vergrößerung wirkt diese Lünette sehr hochwertig! Der Leuchtpunkt liegt unter Safirglas.

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Die Lünette ist auch haptisch ein Highlight! Wenn man sie dreht hat man das Gefühl, an einem Tresorschloss zu drehen. Allerdings kommt jetzt der erste Schwachpunkt der Uhr: die Lünette dreht sich zu leicht. Somit verstellt man sie sehr schnell, sogar bei normalen Abwischen der Uhr. Und sie hat ganz leicht vertikales Spiel. Das ist marginal, aber einem peniblen Menschen wie mir unangenehm aufgefallen. Der Rastmechanismus der Lünette ist, verglichen mit der alten SD, komplett neu. Drei federnd gelagerte Stifte und ein Sperrstift tragen die Lünette.
Hier die technische Dokumentation dazu:

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Geblieben ist die Triplock-Krone, die allerdings etwas größer geworden ist.

66Und noch etwas fällt anfangs auf: das Zifferblatt der Uhr ist massiv beschriftet! Der Ringlock-Ring ist graviert, das Zifferblatt ist übersät mit Schrift. Aber das stört nur anfangs. Irgendwann gewöhnt man sich daran. Gibt es noch einen Schwachpunkt dieser tollen Uhr? Ja, das Band wirkt in der Breite etwas unterdimensioniert. Dieser Eindruck verstärkt sich dadurch, dass sich das Band zur Schließe hin verjüngt. Am Arm jedoch ist das ein Vorteil! Durch dieses Design trägt sich die Uhr super!
Ein breiteres Band wäre unbequemer und würde die Uhr wohl noch schwerer machen.

Und noch etwas ist suboptimal. Es ist nicht die Uhr direkt. Es ist das Zubehör. Folgendes ist bei der Uhr dabei:
Boxen, Booklets, Garantiekarte samt Etui, (nicht abgebildet) der Lünettenschutz und das rote Rolex-Siegel

…schön in der Bedienungsanleitung beschrieben: die Funktion der Schließe

70…die Garantiekarte7172

… die Uhr samt Putztuch.

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Hand aufs Herz. So eine Box passt eher zu einer Schmuckuhr, aber kaum zu einer Toolwatch!

74Leider fehlt auch ein Toolset wie bei der alten SD. Warum spart Rolex an diesem Detail? Ich verstehe es nicht! Und noch etwas stört: das Glas spiegelt und verzerrt im Blick von der Seite durch seine Dicke schon arg.

75Aber wo keine Entspiegelungsschicht ist kann auch nichts zerkratzen! Und es handelt sich ja auch um eine Taucheruhr für den Unterwassereinsatz. Und dort ist die Uhr aus allen Richtungen und Winkeln perfekt ablesbar.

76Die Superliminova-Leuchtmasse leuchtet jetzt schön und sehr hell in blau:

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Das Gehäuse ist schön fett und das Heliumventil wurde nun aus dem selben Material hergestellt wie das Gehäuse. Rolex nennt das Hochleistungsstahl! Anglierte und polierte Kanten á la Bexley-Cut  gibt es keine mehr am Gehäuse. Das steht der Uhr sehr gut!

79Das Safirglas ist nun bündig mit der Lünette. Nicht steht mehr über wie früher und somit dürften die „chips“ im Safirglas der früheren Modelle der Vergangenheit angehören. Und das Glas ist gewölbt. Ich hoffe man kann es erkennen!

80Perfekte Oberflächen und Spaltmaße

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Abschließend noch ein Bild der Uhr in ihrer natürlichen Umgebung!

 

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Ich werde die Uhr in den nächsten Monaten und Jahren arg fordern und auch oft mit ihr Tauchen gehen. Weitere Berichte von ihrer Eignung unter Wasser folgen dann! Eines ist aber schon jetzt klar: diese Uhr ist nichts für Poliertuchmuschis! Die großen polierten Flanken des Gehäuses ziehen ebenso Kratzer an wie der Schliff der Schließe. Aber das ist eben so und Uhren sind für mich Gebrauchsgegenstände und die bekommen nun mal Spuren im Laufe der Zeit! Noch mal zum Tragekomfort. Habe ich jemals eine andere Uhr gehabt bzw. gewollt? Innerhalb weniger Tage ist diese Rolex quasi ein Teil von mir geworden. Absolut normal und bequem. Mit dieser Uhr bekommt man sehr sehr viel Rolex für sein Geld! Und eine echte Toolwatch, die eine weitere Evolutionsstufe in der Historie der Sea Dweller darstellt. Und diese Geschichte ist sicher noch nicht zu Ende!

Eine Warnung noch zum Schluss: Vorsicht!!! Wer sich an diese Uhr gewöhnt hat, der findet normale (Rolex-) Uhren geradezu klein!
Ich hatte heute kurz die Daytona 116520 an und sie sofort wieder abgenommen! Sie wirkt federleicht und zierlich. So verändern sich die Maßstäbe….!

 

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Abschließend noch die Rolex Broschüre von Rolex zur Deep Sea als Lektüre:

rolex_rolex-deepsea_de

Kategorien:Rolex

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