Glidelock, Oysterlock, Fliplock & Co.


Rolex bietet nicht nur seit Jahrzehnten tolle Uhren an. Auch das Drumherum wurde im Laufe der Zeit stetig optimiert. Und genau das ist es ja, was Rolex so besonders macht. Keine Designsprünge oder -experimente. Wenn sich etwas wirklich nachhaltig bewährt hat, dann wird es eingeführt. So war es mit dem Safirglas, mit modernen Leuchtmassen, mit Lünetteneinlagen aus Keramik und mit Schließen an den nunmehr massiven Metallbändern, die Ihresgleichen suchen.

Rolex hat die sanfte Evolution seiner Modelle perfektioniert. Man erkennt immer noch die Verwandschaft zwischen z.B. der ersten Submariner von 1953 und der heutigen Submariner. So ähnlich wie auch bei anderen Ikonen, wie dem Porsche 911.

In diesem Beitrag möchte ich etwas Überblick schaffen über die doch sehr vielfältigen Schließen, die Rolex an seinen Uhren aktuell verbaut. Dabei werden Begriffe wie Glidelock, Fliplock, Easy Link oder Osyterclasp leicht verständlich. Und manch einer wird erkennen, das Rolex Schließen zum besten gehört, was es auf dem Markt gibt.

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Generelles zu den Rolex-Metallbändern

Rolex-Metallbänder gibt es als Oysterband (hier eine ältere Version)

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als Jubiléeband

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und als Präsidentband

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Diese verschiedenen Bandtypen gibt es in verschiedenen Materialien und Materialkombinationen (bei Rolex „Rolesor“ genannt).

Gerade bei Vintage Rolex kann zudem häufig von SEL und Non-SEL lesen. SEL bedeutet Solid End Link. Das letzte Glied des Bandes, welches die Verbindung zum Gehäuse herstellt kann entweder zweigeteilt und hohl sein (Non SEL, ältere Modelle, im Bild unten: rechts) oder aber SEL, dann aus einem Stück und absolut massiv (im folgenden Bild: links)

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Auch die Schließen sind heute nicht mehr aus gebogenem Metall (im folgenden Bild: unten), sondern ebenfalls massiv aus dem Vollen gefräst (oben)

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Als kleine Hilfe für alle, die sich eine alte und oder gebrauchte Rolex kaufen möchten, hier noch eine Info, wie viele Bandglieder ein Oysterband im Auslieferungszustand hatte. Meist werden die Bänder nach dem Kauf angepasst. Die herausgenommenen Bandglieder verschwinden meist. So etwas ist ärgerlich und teuer! Ein einzelnes Bandglied für ein Oysterband z.B. kostet um die 50 Euro.

Hier also eine Übersicht über einige Bandreferenzen samt der Anzahl der Bandglieder (für Stahlbänder, andere gerne auf Anfrage)

Explorer I: Band-Ref. 77200 -> 13 Bandglieder 20 mm Anstoßbreite

Explorer II: Band-Ref. 77210 -> 13 Bandglieder 21mm Anstoßbreite

Milgauss: Band-Ref. 72400 -> 13 Bandglieder 20 mm Anstoßbreite

GMT-Master II: Band-Ref. 78200 -> 13 Bandglieder 20 mm Anstoßbreite

Submariner: Band-Ref. 97200 -> 13 Bandglieder 20 mm Anstoßbreite

Deep Sea: Band-Ref. 98210 -> 11 Bandelemente 21 mm Anstoßbreite

Daytona: Band-Ref. 78596 -> 13 Bandglieder 20 mm Anstoßbreite

Yacht Master: Band-Ref. 78800 -> 13 Bandglieder 20 mm Anstoßbreite

Yacht Master II: Band-Ref78210 -> 12 Bandelemente 21 mm Anstoßbreite

 

Nun aber zu den Schließen:

Die Oysterclasp

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Diese Schließe wird bei den Modellen Milgauss, Air King, Date und Datejust I und II verwendet. Sie hat keinen Sicherheitsbügel (bei Rolex sind Schließen mit so einem Sicherheitsbügel immer mit -lock bezeichnet), welche die Schließe vor unbeabsichtigter Öffnung schützt. Ein Easylink Verlängerungsglied (siehe weiter unten) wird je nach Modell verbaut.

Hier eine technische Zeichnung aus dem Patent der Schließe

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Crownclasp

Auch dieser Schließe fehlt der Zusatz -lock, was auf den fehlenden Sicherheitsbügel hinweist. Die Crownclasp ist eine verdeckte Schließe. Man sieht nur eine kleine Krone am Band, an der man auch angreifen muss, um die Schließe zu öffnen

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Und auch zu dieser Schließe eine Explosionszeichnung. Erstaunlich, aus wie vielen Teilen so eine Schließe besteht

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Diese Art Schließe wird an Jubilée- und Präsidentbändern z.B. bei der Day Date verbaut. Auch am Oysterband der Day Date kann man diese Schließe finden.

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Diese Schließe hat einen Sicherheitsbügel, wie man an der Endung -lock erkennen kann.

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Diese Schließe wird bei den Sportmodellen verwendet. Die GMT Master II, die Explorer II die Yacht Master und die Daytona tragen diese Schließe

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Links im folgenden Bild ist das Easylink Verlängerungsglied zu sehen, auf das ich weiter unten eingehen werde. Die Oysterlock-Schließe ist kürzer als die weiter unten beschriebenen Glidelock-Schließen.

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Das Easylink-Verlängerungselement

Viele Menschen kennen dass: bei einer Uhr mit Metallband hat man ab und zu das Verlangen, das Band etwas länger oder kürzer machen zu wollen. Bei einem Lederband ist das einfach. Aus diesem Grund hat Rolex das Easylink Verlängerungselement entwickelt. Dieses kleine Bauteil sitzt im inneren der Schließe. es ist quasi das letzte Element der Bandhälfte, die von der 12 Uhr Flanke der Uhr zur Schließe geht (im Bild links am Ende des Schließenkastens)

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Im Folgenden die Bedienungsanleitung von Rolex für das Easylink-Element, hier „rapid adjustment feature“ genannt

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In der Folge habe ich die Funktion des Easylink-Verlängerungselementes, mit dem das Band um ca. 5 mm verlängert oder verkürzt werden kann, anhand der Oysterlock-Schließe meiner Explorer II dargestellt:

Die maximal kurze Einstellung der Schnellverstellung.

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Man kann das Band über einen Federsteg noch mal in drei Schritten verstellen (siehe die runden Vertiefungen im nächsten Bild). Dazu benötigt man aber Werkzeug. Das Easylink-Element ist komplett ohne Werkzeug bedienbar.

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Zurück zur Easylink-Verlängerung: man zieht nun das Band hoch. Dabei entriegelt man das Element.

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Jetzt klappt man das Element um 180 Grad um, was das Band um 5 mm verlängert

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Das Ganze noch mal in der Draufsicht

kurz:

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umgeklappt und lang

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Glidelock

Die Submariner, Sea Dweller und Deep Sea tragen die Glidelock-Schließe. Wobei Glidelock nicht gleich Glidelock ist. Die Schließe der Deep Sea unterscheidet sich nämlich erheblich von denen der Submariner und Sea Dweller.

Die Glidelock-Schließe der Submariner / Sea Dweller kann man auch in der Länge schnell verstellen. Dazu muss man, wie beim Easylink-Element auch, die Uhr vom Arm nehmen und die Schließe öffnen. Hier ist die Schließe mit dem zusätzlichen Fliplock-Verlängerungsglied (im Bild unten) zu sehen.

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Hier die Submariner / Sea Dweller Schließe von innen betrachtet. Das Band ist maximal kurz eingestellt

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Jetzt kann man, ähnlich wie beim Easylink-Element, am Band ziehen und den Mechanismus entriegeln

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So sieht das dann in der Draufsicht aus

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Jetzt kann man das Band herausziehen. Damit bekommt man gut 30 mm mehr Länge

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Im Bild oben kann man die Rasten in der Schließe erkennen. In diesem Schritten kann das Band verstellt werden. So kann man das Band bequem ein paar Millimeter kürzer oder länger machen oder aber maximal lang und die Uhr dann beim Tauchen über einem Taucheranzug tragen. Schließlich sind die Submariner und die Sea Dweller Taucheruhren.

Die Fliplock-Tauchverlängerung

Optional kann man das Band der Submariner / Sea Dweller um das sogenannte Fliplock-Verlängerungsglied ergänzen, welches eine zusätzliche Verlängerung von 22 mm bringt. Für den Taucheinsatz ist das sehr praktisch.

Hier die Funktion:

das Fliplock-Element ist im eingeklappten Zustand wie ein normales Bandglied. Es hat 26 mm Länge

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Ausklappen kann man das Fliplock-Element sehr einfach

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Die technische Dokumentation von Rolex zum Fliplock-Element (beides zum Band der Deep Sea, siehe unten)

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1234260367Die Glidelock-Schließe der Deep Sea:

Die Glidelock-Schließe der Deep Sea heißt zwar genauso wie die der Submariner, aber es ist eine komplett andere Schließe. Das Fliplock-Element ist hier im Lieferumfang enthalten.

Der wesentliche Unterschied zwischen den Glidelock-Schließen besteht darin, dass man die Länge des Bandes der Deep Sea auch verändern kann, wenn die Uhr am Arm ist. Anders als bei der Submariner / Sea Dweller kann man den Mittelteil der Schließe hochklappen

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Rein äußerlich sehen sich die verschiedenen Glidelock-Schließen (links = Deep Sea, rechts = Submariner) sehr ähnlich

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Aber das Innenleben ist komplett unterschiedlich

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Auch das Band der Deep Sea kann man entsprechend der Rasten im Mittelteil verstellen.

Wenn die Uhr am Arm ist klappt man einfach den Sicherungsbügel hoch und dann den Mittelteil der Schließe.

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Jetzt kann man das Band heraus- oder hereinschieben.

Danach, zum Verriegeln, drückt man das Mittelteil der Schließe wieder runter.

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Dan ist das Band wieder fixiert. Nun  muss man nur noch den Sicherungsbügel zurückklappen und alles ist safe.

Die Bedienungsanleitung der Deep Sea

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und die technischen Zeichnungen der hoch komplexen Schließe

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Und des ganzen Deep Sea Bandes in Einzelteilen

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Diese Schließe der Deep Sea ist ein mechanisches Kunstwerk

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Im Folgenden Bild sieht man noch mal eine Submariner Ref. 114060 neben einer Deep Sea Ref. 116660

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Leider gibt es gerade von den Glidelock-Schließen beeindruckend gute Fälschungen, da diese äusserst praktischen Schließen gerne auch an andere Modelle nachgerüstet werden. Hierzu habe ich einen Artikel in diesem Blog verfasst, indem ich auf die Unterscheidungsmerkmale eingehe.

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Man erkennt also, dass auch die Schließen an den Rolex Uhren durchaus einen genaueren Blick wert sind. Technisch sind diese kleinen Dinger wahre Meisterwerke.

Manch einer weint den alten „Blechschließen“ nach. O.k., praktisch waren die. Sie funktionierten auch im Salzwasser oder wenn Sand in der Schließe war. Und wenn die Schließe nach dem Tauchen zerkratzt oder verbeult war, konnte man für wenig Geld Ersatz vom Rolex-Konzessionär bekommen. Die neuen Schließen funktionieren auch unter allen Bedingungen. Im Meer, am Strand, bei der Gartenarbeit. Alles kein Problem. Und kaputt bekommt man diese Schließen kaum. Was mich enorm beeindruckt ist die Präzision der Bauteile (der große Unterschied zu den Fakes). Typisch Rolex eben!

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4 Kommentare

  1. Hallo, habe gerade Deinen Blog gefunden. Sehr informativ und ausführlich ! Gefällt mir sehr gut. Schau Dir auch mal meinen Rolex Blog an: http://uhrengutachter.blogspot.de/
    Es geht in meinem Blog ein wenig mehr um Vintage Uhren und den Uhrwerken von Rolex.

    Grüße aus der Uhrmacherwerkstatt

    Uli

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