Die Zifferblattvarianten der Rolex Deep Sea


Rolex bietet ja seit jeher für detailverliebte Sammler genügend Stoff, um sich durchgängig mit den, z.T. nur mit viel Erfahrung zu erkennenden Evolutionsstufen der einzelnen Modelle zu beschäftigen. Früher mag das durch die Beharrlichkeit von Rolex erklärbar gewesen sein, den eigenen Modellen nur sehr behutsam eine Modellpflege angedeihen zu lassen. Als andere längst Mineral- oder Safirgläser hatten verbaute Rolex noch immer Plexiglas. Um nur ein Beispiel zu nennen. Doch genau das macht Rolex aus: keine Experimente, weder technisch noch im Design. Das ergab eine DNA, die vergleichbar mit Porsches 911 heute noch eine Verwandtschaft der  aktuellen Modelle mit den Vorfahren von vor über 50 Jahren erkennen lässt. So eine Modellreihe ist bei Rolex die Submariner, in diesem Beitrag möchte ich mich der Sea Dweller Deep Sea Ref. 116660 und Ihrer Evolution widmen.

Rolex Deep Sea

Die Sea Dweller Ref. 16600 war meine zweite Rolex. Hatte ich die erste, eine Explorer II, eher zufällig gekauft so war der Kauf der Sea Dweller absolut beabsichtigt und geplant. Mich faszinierte dieses Modell von Anfang an. Und so ging es mir auch 2008, als Rolex zur Baselworld das neue Modell Deep Sea lancierte. Ein Brocken, ein nahezu untragbares Beast, mehr Toolwatch als jedes andere Rolex-Sportmodell und deswegen auch nicht von allen geliebt. Und auch wenn es diese Uhr erst seit 2008 gibt und auch wenn Rolex heute Designsprünge und Modellpflege betreibt, wie man sie früher kaum für möglich gehalten hat, so kann man die Veränderungen an den aktuellen noch immer mit geübtem Auge erkennen. Und es macht noch immer Spaß! Die meisten Veränderungen werden bei der Beschriftung der Zifferblätter vorgenommen. Und so gibt es nach knapp sechs Jahren Deep Sea schon drei Generationen, die der Leihe allerdings kaum unterscheiden kann. Bei Vintage-Modellen wie der Red Sub´s, den doppelt roten Sea Dwellern oder der Explorer II Ref. 1655 ist derartiges Wissen beim Kauf unerlässlich, weil mittlerweile sehr sehr gut gefälschte Zifferblätter dieser Modelle existieren. Unlängst ist so ein Fake Blatt für eine Red Sub für knapp 3500 Euro in einem Online-Auktionshaus angeboten und auch verkauft worden. Nur das Blatt wohlgemerkt. Und auch Spezialisten mussten zweimal hinschauen. Den Zifferblattdetails der Rolex-Vintage-Modelle habe ich mehrere andere Beiträgen hier im Blog gewidmet.  Jetzt, an dieser Stelle, geht es erstmal um die Deep Sea.

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Und die Deep Sea ist tatsächlich noch eine Toolwatch, die auch unter widrigsten Bedingungen funktioniert

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Die Vorgänger dieses Modells sind die Sea Dweller Ref. 16600

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wie auch die noch älteren Sea Dweller Referenzen 1665, die es mit doppelt rotem Schriftzug (Double Red) und mit weißen Schriftzug (white) unten auf dem Zifferblatt gibt

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Rolex-S-S-Oyster-Perpetual-Great-White-Sea-Dweller-1665

 (Quelle: watchcentre)

und die Referenz 16660 (Triple Six), die erste Sea Dweller mit Safirglas, aber noch einem Blatt alter Arzt ohne Weißgold-eingefasste Indicés

16660_gaspard_square

Auch Exoten sind unter den Vorgängern der heutigen Deep Sea, wie zum Beispiel die „Deep Sea Special“, die aussen am U-Boot „Trieste“ in den Mariannengraben getaucht ist, der tiefsten Meerestiefe auf Erden.

Rolex-DEEP-SEA-Special

 Und auch aktuell baut Rolex derartige Sondermodelle wie die „Deep Sea Challenge“, die bis 12000 Metern wasserfest ist.

DS Challenge 01

 Hier noch ein Gruppenbild der Tiefsee-Sondermodelle

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Wie schon erwähnt hat auch die aktuelle Sea Dweller Deep Sea schon vier Evolutionsstufen durchlaufen, die sich an winzigen Veränderungen in der Typografie des Zifferblattes zeigt.

Mark II 04

So etwas lieben wir Rolex-Enthusiasten!

Die Mark I: 

Angefangen hat es im Jahr 2008 mit der sog. Mark I:

Mark I 03

Die Typografie des Blattes zeichnet sich durch recht neumodern gestaltete Buchstaben „S“ aus wie auch durch eine Krone bei zwölf Uhr, die abgestufte Kronenzacken hat. Die Kronenzachen verlaufen nicht wirklich rund, eher stufig.

Mark I 01 Kopie 1Im unteren Teil des Zifferblattes fallen, neben dem futuristischen „S“ der etwas größere Buchstabe für das „f“ der Maßeinheit Fuß auf. Es ragt oben und unten über die Ebene der anderen Buchstaben hinaus. Ebenso sind die Striche des Symbols „=“ schräg zu einander versetzt. Die „1“ der Tiefenangabe in Fuß ist lediglich ein senkrechter Strich. Die Mittelstriche der E´s sind nahezu so lang wie die Striche oben und unten.

Mark I 06 Kopie

Die Bögen der Buchstaben „S“ des Schriftzuges „SWISS MADE“ sind oben wie unten gleich groß.

Irgendwo zwischen Mark I und Mark II (im Verlaufe der V-Serie) hat Rolex auch technisch etwas an der Deep Sea verändert. Das Gewicht der Uhr einschl. aller Bandglieder veränderte sich von 214,3 g auf 215,7 g. Ein Gramm kommt nicht von ungefähr. Ob nun das Glas etwas massiver wurde, oder aber die Konstruktion der Lünette, ist unklar. Fakt ist, dass bei den Deep Sea der ersten Serie Glasrand und Lünette bündig waren:

Rolex-Deepsea-Replica-11

Und dann auf einmal,  bei der veränderten Version, das Glas leicht überstand (wie hier am Beispiel der Deep Sea D-Blue zu sehen)

Rolex-Deepsea-D-Blue-gradient-dial

Ab ca. Anfang 2010 tauchten die ersten Deep Sea´s mit Mark II Blatt bei den Konzessionären auf.

Die Mark II:

Mark II 01

Diese Version Mark II zeigt ein anders geformtes „S“ (runder) in der Typografie. Ebenfalls ist die Krone bei zwölf Uhr anders. Die Basis der Krone ist dünner, die Enden der Zacken der Krone verlaufen eher kreisförmig. Auch die Typografie des „Rolex“ Schriftzuges ist etwas feiner als bei der Mark I. Zudem ist der Schriftzug „Oyster Perpetual Date“ etwas gedrungener, d.h. die Buchstaben stehen enger zusammen als bei der Mark I. Der Mittelstrich der E´s ist wesentlich kürzer als der Strich oben und unten.

Mark II 04 Kopie 1 Kopie

Der untere Teil der Beschriftung des Blattes unterscheidet sich ebenfalls. Die Buchstaben der Fuß-Abkürzung „ft“ sind weiterhin kursiv, ragen aber nicht mehr über die anderen Buchstaben hinaus. Das „=“ ist kürzer als bei der Mark I und die Striche sind exakt untereinander, nicht mehr schräg versetzt. Es gibt jetzt eine Lücke vor und hinter dem „=“ (Gap). Die „1“ der 12800 ft hat jetzt einen kurzen Aufstrich und auch der Bindestrich zwischen Sea und Dweller ist kürzer als bei der Mk 1.

Mark II 04 Kopie 3

Die Bögen der Buchstaben „S“ des Schriftzuges „SWISS MADE“ sind  bei der Mark II oben schmaler als unten.

Die Mark III

In 2012 tauchte dann die dritte und bis heute aktuelle Variante der Deep Sea auf, die Mark III.

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Insgesamt ist die Typografie dieser Version noch feiner als die der Vorgänger. Die Krone bei zwölf Uhr ist fein. Die Mittelstriche der E´s sind etwas länger als bei der Mark II, aber nicht so lang wie bei der Mark I.

Mark III 01 Kopie

Der untere Teil der Typografie zeigt ein aufrechteres Fuß-Symbol als bei der Mk II. Die Buchstaben der Fuß-Abkürzung „ft“ gehen oben über das Niveau der anderen Buchstaben hinaus. Das „=“ ist länger als bei der Mk II, die Striche stehen, wie bei der Mk II gerade übereinander. Der Abstand des „=“ nach rechts zur Tiefenangabe in Metern schein grösser als nach links zur Tiefenangabe in Fuß.

Mark III 02 Kopie

Die oberen Bögen der Buchstaben „S“ im Schriftzug „SWISS MADE“ sind wieder, wie bei der Mk I , kürzer als die Bögen unten.

Insgesamt zeigt die Typografie der Mk III wieder „Füßchen“ an den Enden der Buchstaben (der Strich wird zum Ende hin breiter, wie ein Elefantenfuß), wie auch bei der Mk I, wenn auch die Typografie der Mk III wesentlich feiner ausgeführt ist. Bei der Mk II fehlen diese Füßchen an den Enden der Buchstaben komplett.

Die Zahlen der Datumsanzeige sind bei der Mk 1 auch etwas dünner ausgeführt als bei der Mk II und in etwa gleichdick wie bei der Mk III. Das sieht man aber nur im direkten Vergleich. Für das Erkennen der Varianten ohne Vergleich bieten sich die oben beschriebenen Merkmale besser an.

Die Mark IV

Auf den ersten Bildern der Auslagen der Baselworld kam mir sofort etwas merkwürdig vor, wenn ich die dort ausgestellte Deep Sea betrachtete.

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(Quelle: Hannes @ r-l-x)

So sieht dann die aktuelle Variante auf der Rolex Homepage aus

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Der sehr deutliche Unterschied zur Mark III fällt sofort auf. Diese neue Variante in 2014 ähnelt der Mark II. Aber sie unterscheidet sich in einigen Merkmalen von der Mk II

Mark IV 2

Im oberen Teil des Blattes steht bei der Mk IV das A von DEEP SEA direkt unter dem A von PERPETUAL, bei der Mk II ist es versetzt. Ebenso steht das P von Perpetual direkt bündig zum darüber stehenden O von ROLEX, bei der Mk II ist es versetzt. Im unteren Teil des Blattes fällt auf, dass die Buchstaben der Maßeinheit „ft“  ebenso kuriv gedruckt sind, aber näher bei einander stehen als bei der MK II. Der Bindestrich zwischen SEA und DWELLER ist ebenso kürzer wie auch die Striche des „=“ im Vergleich zur Mk II. Wie ich jüngst erfahren habe erschienen diese Blätter bereits Ende 2013 auf dem Markt und nicht erst zur Baselworld 2014. Hier eine solche Uhr aus dem Dezember 2013:

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Die Mark IV findet man mittlerweile bei den Konzi´s regelmäßig. Hier noch eine Uhr aus dem Juli 2014

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Es mutet sicher merkwürdig an, dass sich Rolex-Enthusiasten mit derart winzigen Details beschäftigen. Kaum ein Fan einer anderen Marke würde dies wohl tun…! Aber es macht wirklich Spaß und ist höchst interessant! In einem meiner nächsten Beiträge wird es um die verschiedenen Versionen der Sea Dweller „Double Red“ gehen, von der es vier verschiedene Varianten plus eine Service-Dial-Variante gibt. Bei Vintage Uhren sollten alle Details des Blattes stimmen. Sonst stimmt etwas nicht. Es gilt also wieder: buy the seller. Oder aber man kennt sich gut aus!

Rolex-DEEPSEA-PC-Hourglass

Sondereditionen

Von Rolex selber kommt bislang keine Comex-Variante der Deep Sea. Es gab wohl mal eine Info aus Richtung Comex, dass auch die Deep Sea in einer kleinen Serie für Comex gemacht wird. Gekommen ist diese Serie aber nie.

Das im Netz oft zu findende folgende Bild ist eine Fälschung:

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Das ursprüngliche Bild hat Percy aus dem R-L-X Forum auf der Baselworls 2008 gemacht (Signatur pcs). Irgend jemand hat dann den COMEX-Schriftzug hinein geshopt. Soviel zu diesem Mythos.

Von der Deep Sea gibt es mittlerweile auch eine ganze Reihe an Sondereditionen, die nicht von Rolex, sondern externen „Tunern“ gemacht werden.

Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die „Jaques Piccard Single Red Deep Sea“ die es in einer Auflage vom 86 Exemplaren gab.

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Der Ring Lock Ring ist bei dieser Variante ebenso schwarz DLC beschichtet wie das Gehäuse und das Band. Der Gehäuseboden ist schön graviert.

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Ein Exemplar dieser Uhr wurde bei Christies im Jahr 2009 versteigert. Mit dabei war auch ein Ersttagsbrief, der anlässlich des Rekord-Tauchganges der Trieste im Januar 1960 auf den Grund des Mariannengrabens herausgegeben worden ist und ein Buch. Eine Rolex Deepsea Special war an der Aussenhülle des Tauchbootes befestigt und hat den Tauchgang gut und funktionstüchtig überstanden (siehe auch meinen Artikel hierzu im Blog)

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Allen „Tunern“ der Deep Sea ist gemein, dass immer Gehäuse und Band sowie weitere Uhrenteile wie der Ring Lock Ring DLC- (Diamond Like Carbon) oder PVD-beschichtet werden und dass die Zifferblätter farblich modifiziert und ergänzt werden.

Firmen wie Titanblack

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und Blaken

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oder Black-Out-Concept

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oder die Deep Blue

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und auch Bamford, um nur Einige zu nennen,

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tun dies erfolgreich. Die hergestellte Kleinserien sind stets schnell ausverkauft.

Einige dieser „Tuner“ modifizieren eine Deep Sea auch nach Kundenwünschen. Klar sein muss dem Besitzer aber, dass derartige Modifikationen die Gewährleistung von Rolex zu Nichte machen.

Es gibt aber auch Tuning-Unfälle, wie man am folgenden Beispiel sehen kann

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Die Deep Sea D-Dial aus 2014

Am 04.08.2014 nun präsentierte Rolex eine neue Variante des Modells Deep Sea mit blauem Blatt und einem grünen Schriftzug „Deep Sea“, der nun in der unteren Hälfte des Zifferblattes liegt und nicht oben, wie bei der normalen Variante. Rolex nennt das Zifferblatt „D-Blue“.

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Der Druck des Blattes erinnert stark an den der Mark I

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Eines der ersten Live-Bilder der Uhr

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Ob die Uhr in einer limitierten Anzahl auf den Markt kommt oder aber unlimitiert ist wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Die Geschichte der Deep Sea geht also weiter…!

Kategorien:Rolex

8 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren

    Ich würde Ihnen so gerne eine DEEPSEA zeigen. Es wäre schön wenn Sie mir die auf Echtheit überprüfen könnten.
    Leider hat er sehr viele Merkmale die mit Ihrer Beschreibung stimmen, dennoch habe ich ein murmliges Gefühl.

    0041 76 506 06 63 aus der Schweiz melden Sie sich doch. Seien Sie so gut.

    Freundliche Grüsse

    Martin Buduri

  2. Hallo aus Wien
    Also meine DS ist eindeutig Mark I, aber das Glas ist nicht ganz bündig mit der lünette. Gekauft beim Konzi. Sollte das Glas nicht bündig aufgrund ihere Recherche sein.
    Danke für Antwort.
    LG Heinz

    • Nun, es hängt davon ab, wie sehr das Glas übersteht.
      Ist es nur ein ganz geringer Überstand so würde ich das unter „Toleranzen“ verbuchen.
      Steht das Glas deutlich über so würde ich zum Konzessionär gehen und das reklamieren.
      Am Uhrglas wird es nicht liegen, eher schon an der Lünette.
      Wenn Sie ein Bild für mich hätten, dann könnte ich einschätzen, ob sich der Überstand
      im Bereich der Toleranzen liegt oder nicht.

      Beste Grüße!

      Sascha Glistau

  3. Hallo Sascha, mit der neuen Referenz 126660 wurde ja auch das Zifferblatt wieder verändert, gibt es ausser der Krone bei 6 Uhr zwischen Swiss und Made noch weitere Merkmale die sich unterscheiden? Danke und Grüsse, Josef.

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