Rolex – Full Set & Co.


Wer an den Kauf einer älteren, gebrauchten Rolex denkt wird es kennen. In Verkaufsanzeigen tauchen jede Menge Kürzel wie „nos“, „SEL“, „tropical“, „Patrizzi“, „Floating Dial“ oder „Full Set“ auf.

Es ist für den Laien nicht immer leicht, sich in diesem Kürzel-Wirrwarr zurecht zu finden. Und da ich regelmäßig um Beratung gebeten werde und gerne beim Kauf einer Uhr berate habe ich hier in meinem Blog schon einige Artikel verfasst, die beim Kauf helfen sollen.

Dazu gehört auch dieser Beitrag, der das Thema „Full Set“ behandelt. Doch bevor ich auf die „Full Sets“ eingehen werde hier noch schnell die Auflösung der oben genannten, anderen Kürzel:

nos“ = new old stock = eine alte, nicht mehr in Produktion befindliche Uhr, die ungetragen angeboten wird; derartige, wirklich ungetragene alte Uhren sind sehr selten und teuer

SEL“ = Solid End Link = massive Endglieder der Rolex Oysterbänder am Anschluss zum Gehäuse (links im Bild SEL, rechts non-SEL)

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tropical“ = manche ursprünglich schwarzen Zifferblätter von Rolex Uhren verfärbten sich in der Zeit braun; diese Verfärbung nennt man tropical; es gibt sie in verschiedenen Ausprägungen, von dunkelbraun bis hellbraun

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Patrizzi“ = eine kurze Zeit Lang brachte Rolex bei der Referenz 16520 und nur bei den Modellen mit schwarzem Blatt Uhren heraus, bei denen sich die ursprünglich weißen Ringe der Totalisatoren (Hilfszifferblätter des Chronographen) braun verfärbt haben; Osvaldo Patrizzi, ein italienischer Uhrenspezialist, hat diesen Effekt zuerst beschrieben (links eine normale 16520, rechts das Patrizzi-Dial)

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Floating Dial“ = ebenfalls eine Blattvariante der Daytona Ref. 16520, bei der das Wort „Cosmograph“ oben auf dem Blatt mit einem Abstand zum restlichen Text gedruckt worden ist; floating = fließen; es handelt sich um die erste Serie der Ref. 16520 (Mark I), die von 1987 bis 1988 gebaut worden ist

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Doch nun zum sog. „Full Set„:

Full Set meint, dass bei einer gebrauchten Uhr das gesamte Zubehör dabei ist, welches auch beim der Auslieferung und beim Erstkauf dabei war. Dieses Zubehör steigert speziell bei Rolex den avisierten Preis erheblich.

Im Folgenden möchte ich am Beispiel der Ref. 16520 zeigen, was Full Set wirklich bedeutet und worauf man achten sollte. Denn auch Full Sets werden gerne nachträglich zusammengestellt, um den Wert einer Uhr zu steigern.

Hier ein echtes Full Set einer Ref. 16520 aus Ende 1995:

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In dieser Zeit waren stets eine äußere Pappbox („Mondkrater“, oder wie hier, „Borke“, je nachdem, was dargestellt wird) und eine grüne, mit Leder bezogene Holzbox dabei.

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Hier handelt es sich um eine Kissen-Box, weil innen ein Kissen zu finden ist, auf dem die Uhr liegt (im Ggs. zu Brettchen-Boxen, die innen eine Art Brettchen haben).

Boxen werden überall angeboten. Bei einem echten Full Set ist aussen an der Box die Modellbezeichnung der Uhr zu finden, bei den alten wie auch den neuen. In diesem Fall ist es ein Aufkleber mit der Referenznummer (das handschriftlich ergänzte Wort „Steel“ stammt nicht von Rolex, sondern vom Konzessionär) und ein kleiner weißer, runder Aufkleber, der die Zifferblattfarbe zeigt.

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Das weitere Zubehör setzt sich aus eine roten Rolex-Siegel, einem grünen Hang Tag, auf dem die Gehäusenummer und manchmal auch der Preis zu finden ist; aktuelle Tags zeigen einen Barcode samt Referenznummer der Uhr und des Bandes sowie samt der Gehäusenummer (s. ganz unten im Artikel) sowie einen durchsichtigen Lünettenschutz.

IMG_4321Auch dabei ist ein grünes Etui, in dem das Zertifikat, der Kalender und die Chronometerbescheinigung (das grüne Heft) zu finden sind. Zum Zertifikat komme ich gleich noch.

Ausserdem dabei ist ein Booklet „Your Rolex Oyster“ (es handelt sich um eine Uhr aus dem englischsprachigen Raum, in diesem Fall von der NATO) und die Bedienungsanleitung „Rolex Cosmograph Daytona“.

Alles ausser dem originalen Zertifikat kann man ohne Probleme im Internet käuflich erwerben. Entscheidend für ein echtes Full Set ist, dass das Zubehör aus der Zeit der Uhr passt. In den Unterlagen finden sich überall Hinweise auf das Druckdatum:

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Diese Datumsangaben sollten in etwa mit dem Verkaufsdatum der Uhr korrespondieren, welches auf dem Zertifikat zu finden ist.

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Übrigens auch das Druckdatum des Zertifikates. Dieses liegt nahezu immer na am Verkaufsdatum der Uhr (hier 2.95 = Februar 1995; verkauft wurde die Uhr im Dezember 1995)

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Wenn die Papiere jünger sind als das Verkaufsdatum der Uhr, dann stimmt etwas nicht. Auch Zertifikate werden mittlerweile nachgemacht.

Originale Zertifikate aus dieser Zeit sind (ausser in den USA) „gelocht“, d.h. oben im Zertifikat sind der Ländercode und die Gehäusenummer eingestanzt.

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Hier ein Zertifikat aus den USA, welches damals nur ein Jahr Garantie auswies und in welches die Daten der Uhr eingedruckt worden sind

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Alleine mit den Details der Zertifikate und mit den verschiedenen Zertifikaten aus den letzten Jahrzehnten kann man einen eigenen Artikel füllen, was ich auch noch tun werde.

Auch bei den Booklets (Oyster und Bedienungsanleitung) gab es im Laufe der Jahre Veränderungen (Schriftfarben etc.). Man sollte sich also gut auskennen, wenn man ein Full Set sucht. Oder aber um Rat fragen.

Folgend noch ein Full Set mit der sog. Mondkrater-Box (aussen auf der Pappbox sind Mondkrater aufgedruckt anstatt Baumrind (Borke), wie oben gezeigt; ich bin mir gar nicht sicher, ob es wirklich Mondkrater sind, Schimmelpilz-Kulturen sehen ganz ähnlich aus)

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Stahl/Gold- bzw. Goldmodelle, hier wieder eine Daytona, wurden in Holzboxen verkauft. Auch hier ein Full Set:

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Und am Ende nun auch noch ein Bild eines Full Sets einer aktuellen Daytona Ref. 116520:

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Zusätzlich ist hier noch die Kaufquittung mit dabei.

Da für ältere Rolex-Uhren mit Full Set erheblich höhere Preise aufgerufen werden als für Uhren ohne vollständiges Zubehör sind derartige Full Sets vor allem etwas für Sammler.

Wer sich nicht gut auskennt und unsicher ist, der sollte vor einem Kauf unbedingt Beratung suchen. In guten Foren und Blogs wird kompetent und unkompliziert geholfen. Das hilft teure Fehlkäufe zu verhindern.

 

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Herr Dr. Glistau, es ist schon immer wieder beeindruckend, interessant und spannend
    Ihre ausführlichen und sehr informativen Berichte zu lesen! Ich wollte einfach nur mal DANKE sagen!
    Sonnige Grüße aus dem schönen Flensburg,
    Ihr „Konzi“ Kurt Ohlsen / Juwelier Peter Jürgensen

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