Es gibt Designmerkmale, die sofort und auf den ersten Blick auf eine bestimmte (Uhren-) Marke schließen lassen.
Wer eine Krone sieht denkt an Rolex. Das Calatrava-Kreuz lässt einen sofort an Patek Philippe denken. Und wenn man ein Großdatum sieht kommt einem reflexartig A. Lange & Söhne in den Sinn.
Doch während die Krone und das Calatrava-Kreuz lediglich Zeichen sind steckt hinter dem Großdatum von A. Lange & Söhne ein komplexer und sehr ausgefeilter Mechanismus, den man beim Blick auf die beiden Fenster der Datumsanzeige nicht vermuten würde.
Die Ursprünge der Idee mit dem Großdatum gehen bei Lange einerseits auf historisches Vorbild zurück. Für die Semperoper in Dresden entwarf baute der Hofuhrmacher Johann Christian Friedrich Gutkaes, der Schwiegervater von Ferdinand Adolph Lange, eine Fünf-Minuten-Uhr mit digitaler Anzeige. Diese Uhr ist noch heute dort zu bewundern.
Hier ein Modell dieser Fünf-Minuten-Uhr zusammen mit einer Lange 1
Beim Neustart der Marke ab 1990 suchten die Menschen rund um Walter Lange nach unverwechselbaren Markenzeichen für die neuen Lange-Uhren. Als Inspiration für die Großdatumsanzeige soll u.a. die Fünf-Minuten-Uhr von Gutkaes gedient haben. Tatsächlich aber war ein Großdatum bereits von Jaeger LeCoultre entwickelt worden. Günther Blümlein, damals nicht nur treibende Kraft neben Walter Lange beim Neustart von Lange, war auch Vorstand der IWC und bei Jaeger LeCoultre. Er entschied, das Großdatum bei Lange zum Markenzeichen zu machen. Aus heutiger Sicht zweifelsohne eine geniale Idee. Neben dem Großdatum finden sich u.a. die Dreiviertelplatine, die Platinen aus naturbelassenem Neusilber, die verschraubten Goldchatons und die handgravierten Unruhkloben als echte Markenzeichen für die Uhren aus dem Hause Lange. Höchste Qualität, u.a. garantiert durch eine Erst- und eine Zweitmontage eines jeden Uhrwerkes, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Die ist bei Lange der Normalfall.
Doch das Großdatum ist das am ehesten zu erkennende Markenzeichen, da es das Zifferblatt ziert. Nahezu alle anderen Merkmale finden sich am und im Uhrwerk.
Das Großdatum ist eine platzsparende Möglichkeit, das Datum in einer Größe darzustellen, dass ein Ablesen ohne Lupe oder Brille ohne Weiteres möglich ist. Daher auch der prägnante Name.
Im folgenden Bild kann man als Größenvergleich erkennen, wie groß eine übliche runde Datumsscheibe im vergleich zu einem Großdatum von A. Lange & Söhne sein müsste, um das Datum in gleicher Größe darzustellen.
In Wirklichkeit ist es komplexeste Mechanik. Hier die Einzelteile im Überblick. Die Funktion ist gar nicht so einfach.
Im folgenden Bild sind zu erkennen:
1 = Zehnerscheibe
2 = Einerscheibe
3 = Platine
4 = Programmrad der Einerscheibe
5 = Programmrad der Zehnerscheibe
Schön zu erkennen ist die Funktion auch im folgenden Bild, nach Einer- und Zehnerscheibe getrennt.
Hier ein paar Bilder eines Großdatums-Modells, welches auf dem Stand von A. Lange & Söhne auf dem SIHH 2015 inGenf gezeigt worden ist. Anschaulicher geht es kaum.
Beim normalen Großdatum der Lange 1 vereint dieser Mechanismus nicht weniger als 66 Einzelteile in sich. Die Scheiben haben einen Abstand von 0,15mm zueinander. Daher auch der Steg am Großdatum, der diese Höhendifferenz optisch kaschiert. Korrigiert wird das Großdatum über einen Drücker, den man üblicherweise bei „zehn Uhr“ findet.
Es gibt bei A. Lange & Söhne konstruktionsseitig verschiedene Versionen des Großdatums.
Lange 1 Mondphase
Lange Cabaret Tourbillon
und der Datograph Perpetual
oder das Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender
Besonders toll kommt die sonst vom massiven Zifferblatt verborgene Konstruktion bei der Lange 1 Lumen zur Geltung
Das Großdatum von A. Lange & Söhne ist wohl eines der markantesten, aber auch mechanisch komplexesten Markenzeichen. Typisch Lange!
Lange bringt das Großdatum auch gerne an anderer Stelle an, z.B. von 2006 bis 2008 als schönes Element auf den Jahrbüchern der Manufaktur
Lange fasziniert mich immer wieder auf´s Neue! Auch in den kleinen Details
