„Aus alt mach´ neu“ – so lautet der Titel dieses Beitrags.
Viele Uhrenliebhaber werden es kennen: man trägt seinen kostbaren mechanischen Schatz jahrelang durch mit durch das Leben und dabei bekommt die Uhr ganz ähnliche Altersspuren wie wir Menschen auch.
Und genau dieses Thema spaltet die Geister. Dass eine mechanische Uhr mehr oder weniger regelmäßig eine technische Revision des Uhrwerks benötigt ist allgemein akzeptiert. Aber soll man die Uhr im Rahmen einer solchen Überholung auch optisch in den Neuszutstand versetzen lassen?
Die einen sagen empört „nein“! Diese Tragespuren geben einer Uhr Charakter, sie machen die Uhr zu einem Unikat. Die andere Fraktion sagt: „na klar“! Wenn eine Uhr schon überholt wird, dann auch komplett.
Bei hochwertigen Uhren hängt viel von der Qualität der Aufarbeitung ab. Wird da zu viel geschliffen verlieren Gehäuse und Band Substanz. Das Ergebnis sind dann „rundgelutschte“ Gehäuse mit ganz schmalen Hörnern und oft falschen Schliffen und schlechten Polituren. Daher lautet ein oft geäusserter Ratschlag: wenn Aufarbeitung, dann nur beim Hersteller!
Es gibt allerdings auch absolute Spezialisten, Könner ihres Faches, die so eine Aufarbeitung in der gleichen Qualität schaffen wie der Hersteller.
Dieser Artikel widmet sich diesem Thema. Eine absolute Spezialistin ist Manon. Sie stellt in der Folge, Schritt für Schritt, die optische Aufarbeitung einer Rolex Submariner dar. Über 120 Bilder geben einen kleinen Einblick in die Trickkiste von Manon.
Und wen die Arbeit von Manon überzeugt hat und wer sich zur Fraktion der Uhrenliebhaber zählt, die kein Problem mit einer fachgerechten Aufarbeitung haben findet sich am Ende des Artikels eine Kontaktinformation zu Manon.
Btw. lasse ich Manon auch an meine Uhren, sogar an den Datographen von A. Lange & Söhne. Ich vertraue ihr und konnte mich schon mehrfach von ihrer (Handwerks-)Kunst überzeugen. Daher kann ich sie auch ehrlich empfehlen! Die Sea Dweller Ref. 116600 aus dem Artikel
hat Manon übrigens auch wieder in den Neuzustand versetzt.
Und nun viel Spaß bei der Lektüre von Manons spannendem Bericht!
Nach dem das Thema „Polieren“ derzeit aktuell behandelt worden ist sowie eine kleine Flut an Fragen an mich kamen,“Mensch Manon, wie machste das eigentlich ….“ möchte ich Euch heut mal endlich in meine Töpfe gucken lassen, mit welchen Arbeituntersielen ich meine Aufbereitungen & Rekonstruktionen durchführe – anhand eines Beispieles begleitet mit ein paar Bildchen dazu.
Vorwort
Bitte seht ab von irgendwelchen Diskussionspunkte, wie „so geht das nicht“ oder oder oder. Ich habe in den letzten Jahren schon vieles gemacht sowie manches auch hier schon gezeigt und es gibt immer noch Blessuren die mich heute vor einer Herausforderung stellen, aber ich weiß auch wo Grenzen bestehen und der Laser nur noch die Lösung ist. Wichtig ist da einfach zu klassifizieren, und zwar gibt es Gebrauchsspuren und Blessuren die in Rahmen einer normalen Aufarbeitung mit weggehen, jedoch gibt es Macken, die sich mit geübter Hand sich wahnsinnig schön retuschieren lassen. Für mich ist es bei jeder Uhr ein Balanceakt zwischen „geht weg“ oder “muss ich vorsichtig retuschieren“ und dies immer unter der Verhältnismäßigkeit, um nicht dem Aussehen der Uhr zu schaden, z.B. bei Symmetrie des Gehäuse. Denn, ich arbeite jede Uhr samt Band immer ganz individuell und sehr sensibel von Hand auf, und wer meint, ich hätte ich ganz große Maschinen stehen, der täuscht. Ich arbeite mit modifizierten Handgeräten, welche mit besonderen Widerständen nachgerüstet worden sind, um u.a. auch einen sehr niedrigen Drehzahlbereich fahren zu können – und wer meint, das geht nicht mit diesen Sachen, der täuscht abermals, und unterschätzt definitiv die Handwerkskunst.
Der Kandiat – eine Rolex Submariner REF 14060M
Zerlegen der Uhr
Mein Arbeitsbereich:
mein OP-Besteck
Federsteglöcher verschließen mit geeigneten Stopfen (Polycarbonat)
jede Seite bündig abschneiden
Glasschutz kleben (hat bei dieser Uhr diesmal seinen Grund, sonst wäre es auch draussen)
Flankenarbeit mit 1200er Schleifhölzchen und langsam nach und nach mit der Steigerung der Körung (1500/3000/6000) die Fläche glätten – im übrigen poliere ich immer mit Vorpolitur, dann Hochglanz und ganz zum Schluss mit Superfinish
Vorpolieren der geschliffenen Flächen
Fasen rekonstruieren mit einem feinem Vorpolierer
Diagonalschliff machen ( gerade aufsetzen und nicht hier zum Foto nur drauflegen
Fase polieren
Horn glätten und Glanz brechen (schräg zum Schliff) nur mit Hochglanzpolitur
Ja, gefällt mir
Rotationsschliff hinten machen – ist krass wer die schon mal in den Finger hatte (s. Spiegelung der Pinzette)
Die Uhr an den polierten Flächen abkleben und den montierten Gehäuseboden nehme ich mit als Führungshilfe für die Rotationsbewegung mit 600er Vlies.
Und Kante wieder schön machen mit 1000er Schleifhölzchen
Zuletzt die untere Flankenkante brechen“
Der Gehäuseboden
Teller mit Selbstklebefolie
Einspannen….
……und los geht’s
zuerst die polierte Fläche wieder mit Schleifhölzchen nach und nach schleifen, beginnend wieder mit 1200er ……
…dann polieren
Flansch machen mit erst 400er dann kurz mit 600er Körnung
….jepp passt
Planfläche des Gehäusebodens mit 320er Körnung schleifen. (Cave Körnung abhängig von Modell)
und dann vorsichtig und gefühlvoll ziehen
Glätten und Glanz aufbringen (Schräg zum Schliff)
danach in ein Lösungsbad, ich nehme Nitroverdünnung
das war´s und ab ins Kistchen
Mit Schutz der Achse welches parallel supi in ein 3mm Loch passt
Macke polieren
Top, nur noch zu ahnen das da ein Mackchen war
Die Lünette
Wird zwischen zwei mit Filzbelegten Scheiben eingespannt
gleiche Prozedur wie bei dem Gehäusedeckel
Aussen schleifen mit 600er Körnung und gleichzeitig wieder die scharfe Kante zur polierten Fläche herstellen
und dann ebenfalls ins Nitro Bad
ins Schächtelchen und zu den anderen Sachen gesellen.
Bandschläge Innen mit 600er Vlies bearbeiten und dieses nur in der Breite der Bandanstösse, sonnst runde Kanten
Außenseite mit 850er Vlies
Mit Schleifpapier die Zwischenräume „durchziehen“ (aber gerade, und nicht wie hier aufgrund fehlender Hand schief) danach mit 850er Vlies die Aussenseite überarbeiten.
Innenseite mit 600er Vlies hier mal Vorher & Nachher
Die Seiten des Bandes:
Innen/Aussenseiten abkleben, und mit 600er Schleifhölzchen bearbeiten, !!!gerade!!! und auch an die „scharfe Kante“ denken.
Hier mal ein Vergleich 3 sind bearbeite, links das noch nicht.
Die Schließe
Vorarbeit, Logo abkleben und Warbe für Warbe mit 600er Schleifhölzchen vorarbeiten und die Macken entfernen
Vertiefung abkleben und mit 850er Vlies nachschleifen
Glanz kurz brechen und Logo dadurch absetzen, nicht auf Hochglanz polieren !
Die Seitenflächen
Gleiches Arbeiten wie bei den anderen polierten Flächen
Der Schließenkopf
Der Sicherheitsbügel
die Seiten ebenfalls….. und die Niete noch polieren…… wird gern vergessen
….ja, gefällt
dann noch die Federbleche überpolieren und dann ab ins Nitrobad
und sauber machen wie die anderen Sachen auch
so, nun können die Sachen in die Reinigung wie Ultraschallbad und ebenso die empfindlichen Teile mechanisch von Hand
……und so kommen sie wieder – absolut sauber und rein
……und wir starten die Reise rückwärts
alles andere ebenfalls sauber und rein machen, unter Hilfe hier mit Putzstäbchen, Rodico und Pressluft
und schalen das Werk wieder ein, legen die neue Dichtung und verschließen das Gehäuse wieder sowie machen ein Dichtigkeitstest.
Jetzt die Lünetten-Montage
und drücken, exakt platziert, das Inlay wieder rein.
zum Schluss wieder das Band zusammen setzen und ans Gehäuse montieren
und wenn die Uhr nachher so wieder aussieht, nun dann hat sich doch die ganze Arbeit von 8 Stunden gelohnt
……typisch Manon
Ich sage vielen Dank an Manon und dafür, dass wir einen Einblick in ihre Kunst nehmen durften.
Manon ist in einigen Uhrenforen als „MaggyPee“ aktiv und wie folgt erreichbar unter:
maggypee@t-online.de
Sie macht auch passendes Uhrmacherwerkzeug. Hier ein Beispiel eines auf Maß angefertigten Schraubendrehers für Rolex Oysterbänder:
Und so exakt passt er in die Bandschrauben:
Da verhunzt man keine Bandschrauben mehr!

